Philipp Lukas im Interview: „Meine Emotionen waren alle echt“

Philipp Lukas im servushockeynight.com-Interview über seine Karriere, die Eishockey-Pension und seine neue Rolle in der Servus Hockey Night.

1019 Spiele auf dem Eis, 189 Tore, 355 Assists und jede Menge Führungsqualität: Diese geballte Erfahrung kommt auf die Seher der Servus Hockey Night zu. Philipp Lukas wird ab der kommenden Saison unser Expertenteam verstärken. Wie sich das anfühlt, was seit dem emotionalen Rücktritt passiert ist, warum seine Mama kein Fan seiner Cable Guy-Auftritte war und wie er die Zukunft der Black Wings sieht, erklärt er im servushockeynight.com-Interview.

servushockeynight.com: Wir haben deinen Abschied vom aktiven Eishockey-Sport gesehen, nicht ganz ohne Träne, wie blickst du jetzt darauf zurück?

Philipp Lukas: Wenn ich jetzt daran zurückdenke, stell ich mir die spannende Frage: Wie wird’s mir gehen, wenn ich das erste Heimspiel sehe? Wie sehr wird mir das alles abgehen, wie wird mir das aktive Eishockey fehlen? Es ist klar: Ich hatte so viele schöne Momente, so viele positive und nur ein paar nicht so schöne Emotionen  – ich kann mich nur noch einmal sehr herzlich für die Unterstützung der Fans bedanken. Deswegen war der Abschied auch so emotional, das waren jetzt meine letzten Sekunden in der „Keine-Sorgen-Arena“. Dennoch stand der Entschluss fest, die Schlittschuhe an den Nagel zu hängen. Und dann ist gleich ServusTV an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich als Experte an Bord kommen will.

Video: Philipp Lukas beendet seine Karriere

 

Die meisten Klubs haben mittlerweile wieder das Training aufgenommen – wie geht es dir mit dem neuen Lebensrhythmus, plötzlich nicht mehr auf dem Eis zu stehen?

Ich bin trotzdem immer noch Phil Lukas, ich komm nicht ohne Training aus. Ich war jetzt auch im Sommer trainieren. Andere treten zurück und wollen vom Training nix mehr hören und sehen, ich bin sehr interessiert an körperlicher Fitness. Für mich gehört Bewegung einfach zum Alltag dazu, deshalb habe ich den Sommer eher aktiv gestaltet. Ich habe gehofft, dass ein bisschen mehr Fliegenfischen dabei sein wird, weil das meine absolute Passion ist, aber zuerst war Hochwasser, jetzt ist zu wenig Wasser, man kann sich es halt nicht aussuchen.

 

Das ist der körperliche Aspekt, aber wie geht es dir mental damit, nicht mehr an die nächste Saison, ans nächste Match denken zu müssen?

Gut! Sehr gut sogar. Dadurch, dass ich mit meiner neuen Aufgabe weiterhin mit Eishockey verbunden bleibe, passt das sehr gut. Ich habe mehr als 20 Jahre professionell Eishockey gespielt, das war meine volle Leidenschaft. Jetzt bin ich froh, den Fans etwas von meinem Erfahrungsschatz zurückgeben zu können. Genauso geht es mir auch im Trainerkurs – ich merk, dass es mir großen Spass macht, jungen Spielern etwas zu vermitteln.

 

Ich bin froh, den Fans etwas von meinem Erfahrungsschatz zurückgeben zu können

 

Hast du schon eine Idee, wie du deine neue Aufgabe in der Servus Hockey Night anlegen wirst?

Ja, natürlich, ich habe viele Ideen. Aber ich muss mich auch erst einarbeiten. Wichtig ist: Es beginnt jetzt ein neues Kapitel in meinem Leben, ich bin hoch motiviert und freu mich auf die Aufgabe.

 

Sascha Tomanek, „G!“ Prohaska,  Claus Dalpiaz: Von wem holst du dir Tipps oder weißt du ohnehin was dich erwartet?

Nein, weiß ich nicht genau. Ich weiß nur, dass mich die Aufgabe irrsinnig interessiert. Für mich geht es jetzt in erster Linie darum, etwas Neues zu lernen. Warum also nicht von ehemaligen Kollegen, die schon länger im Geschäft sind! Das Spannende an diesem neuen Lebensabschnitt für mich ist, dass sich viele neue Türen öffnen, so viele neuen Dinge auf mich zukommen und ich als Mensch, als Kommentator und als Trainer dazulernen kann.

 

Was trifft es am besten: Spürst du Vorfreude, ein gewisses Kribbeln, bist du nervös?

Das trifft den Nagel auf den Kopf – es ist ein bisschen was von allem. Diese gesunde Nervosität ist immer gut, das hatte ich auch vor Spielen immer – auch mit 38 noch! Rausgehen und das Selbstvertrauen haben, man ist der Aufgabe gewachsen – aber eine gewisse Nervosität ist trotzdem immer vorhanden. Genauso ist es jetzt mit der Aufgabe bei der Servus Hockey Night. Es kommt ein neues Kapitel auf mich zu. Ich weiß noch nicht wirklich, wie ich das Ganze machen werde. Ich weiß noch nicht, ob ich dem Ganzen gewachsen bin, aber es interessiert mich irrsinnig. Im Endeffekt ist es wie in meinem aktiven Eishocheyleben: Man bereitet sich gut vor, geht raus und gibt sein Bestes! Danach reflektiert man und schaut, wo man sich verbessern kann, um die Erwartungen zu erfüllen.

 

Deine Cable Guy-Clips gehören zu den meistgesehenen im Netz – Wirst du deine Experten-Tätigkeit daran anlehnen?

Ich glaub, ich kenn nicht einmal alle. Das ist auch schon sehr lange her, sechs, sieben Jahre. Wenn ich mir das heute anschaue, kann ich sagen: Es war nichts gestellt, meine Emotionen waren alle echt. Meiner Mutter hat’s zwar nicht so gefallen, was ich da alles von mir gegeben habe. Aber es scheint gut angekommen zu sein, die Leute reden mich heute noch darauf an. Trotzdem muss ich sagen, dass ich in der Zwischenzeit gereift bin und heute einen anderen Weg der Kommunikation mit den Schiedsrichtern finden würde. Ich bin jetzt mehr am Überlegen bevor ich meinen Mund aufmache und versetze mich in die Lage der anderen. Obwohl es nicht immer einfach ist, weil es beim Eishockey oft hitzig zugeht. Wäre ich Cable Guy in einer meiner letzten zwei Saisonen gewesen, wär es wahrscheinlich ziemlich langweilig gewesen.

Sascha Tomanek sagte nach deinem Abschied, dass du der Spieler bist beziehungsweise warst „der Linz über den Sommer zusammenhält“ – wie siehst du die Entwicklung bei den Black Wings?

Es könnte ganz gut passen. Hinten haben wir eine komplette neue Garnitur, bis auf Jonny D’Aversa sind alle neu. Wen ich noch nicht kenne, ist Troy Rutkowski. Er war zuletzt in Norwegen, bringt ein gutes Maß mit, ist in einem guten Alter, mal schauen. Kapstad und Brocklehurst sind beides läuferisch gute Verteidiger. Ich glaub, man will in die Richtung gehen, dass man ein bisschen schneller von hinten herausspielen und mobiler sein will. Vorne gibt’s mit Dragan Umicevic endlich wieder einen Schweden. Was die Bösartigkeit betrifft, hat man sicher ein bisschen etwas verloren.

 

Wer hat sich bislang am besten verstärkt?

Schon in meiner aktiven Zeit habe ich mich wenig mit den Zu- und Abgängen befasst. Das war bis jetzt auch nicht anders. Ich weiß natürlich, welche Spiele neu bei den Klubs unterschrieben haben. Aber so banal es klingt: Die Wahrheit liegt auf dem Eis! Das ist Fakt. Meinen Eindruck hole ich mir dann, wenn ich die Spieler zum ersten Mal in Action sehe. Es ist schon oft passiert, dass viele mit einem tollen Renommee kommen und es für die dann gar nicht so einfach war, in der Erste Bank Eishockey Liga ihre Leistung zu bringen. Ich habe schon viele Spieler erlebt, die in höheren, angesehenen Ligen gespielt und dort starke Leistungen gezeigt haben, sich hier nicht so zurecht gefunden haben. Man muss top-vorbereitet kommen und vor allem motiviert sein. Mal schauen, ob ein 35-jähriger Legionär noch wirklich Berge versetzen will. Das weiß man erst, wenn man ihn näher kennenlernt oder spielen sieht, das steht auf keinem Blatt Papier.

Interview: Tom Hofer, Daniel Kendler

Video: Der große Saisonrückblick 17/18

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