Auch der 22. Oktober 2017 ist ein Teil von 10 Jahre Servus Hockey Night. Warum? Weil nie zuvor die Jobs des Moderators, Interviewers und Ü-Wagen-Mitarbeiters von ein und derselben Person ausgeübt worden sind.

Text: Martin Pfanner
Auf Twitter: @martinpfanner
Auf Instagram: @martinpfanner

An dieser Stelle findet ihr neben Einschätzungen der Servus-Hockey-Night-Mitarbeiter zur Spielzeit 19/20 auch immer wieder Langformate mit Geschichten, Anekdoten und Hoppalas rund um „10 Jahre Servus Hockey Night“.

10 Jahre Servus Hockey Night – Bonusmaterial

Eins vorweg: Auch wenn die zurückliegenden Tage (hoffentlich) etwas ruhiger waren und die bevorstehenden es (hoffentlich) ebenfalls noch sein werden, auch wenn die nächste Servus Hockey Night erst im nächsten Jahrzehnt stattfindet (das 328. Kärntner Derby gibt es am 05.01.20 live und exklusiv unter servushockeynight.com), so geht es an dieser Stelle munter weiter mit exklusiven (Online-)Inhalten.

Die Serie „10 Jahre Servus Hockey Night“ umfasst bisher 14 in Bewegtbilder gebannte und in den Servus Hockey Nights der laufenden Saison veröffentlichte Geschichten. Im prall gefüllten ServusTV-Archiv finden sich aber noch weitere Perlen, die kleine Rückblicke rechtfertigen. Einige dieser Rückblicke passieren über die nächsten Tage an dieser Stelle. Der Fahrplan:

Heute: Einmal Interview und zurück (zum Ü-Wagen)
30.12.19: Wenn Bozen nur 4 Meter von Salzburg entfernt ist
02.01.19: „Ich spreche“ – die legendäre Eishockey-Konferenz

Die Ausgangslage

Wir schreiben den 21.10.2017, ein Samstag vor der 14. Runde in der Erste Bank Eishockey Liga-Saison 2017/18. Es steht die Übertragung Innsbruck vs. Salzburg an, die Themen für das Spiel stehen, der Ablaufplan ist erstellt, HCI-Legende Patrick Mössmer als Gast-Experte eingeladen, eigentlich „business as usual“ – bis eine WhatsApp-Nachricht von Andreas Gröbl um 18:20 Uhr erste Zweifel an einem normalen Sonntagsablauf aufkommen lässt.

1 neue Nachricht:

Zwei Dinge dazu:

  • Andreas Gröbl ist eine der zuverlässigsten Kräfte im TV-Geschäft. Heißt: wenn ER mit einer Vorwarnung zwecks des Gesundheitszustands aufhorchen lässt, dann ist es darum alles andere als gut bestellt.
  • Die Rolle als Moderator/Field-Reporter im Grunddurchgangssetup der Servus Hockey Night (die Gröbl bekleidet hätte) ist eine Essentielle, da Vorberichterstattung, Interviews und Schlussmoderation genau dort zusammenlaufen.

Die Stabliste für die Produktion in Innsbruck:

Im Wissen, dass Gröbl für Sonntag w.o. geben könnte, streckt LDS (das Kürzel für „Leiter der Sendung“ und bezeichnet die Position am Ü-Wagen, wo alle redaktionellen Entscheidungen getroffen werden) Martin Pfanner die Fühler aus und eruiert, wer als Ersatz in Frage kommen könnte.

Andrea Schlager? Mit dem MotoGP-Zirkus unterwegs. Florian Rudig? Bereits anderweitig beruflich gebunden. Marc Brabant? Privat verpflichtet und ohne Chance nach Innsbruck zu kommen. Der Samstag endet mit der Einsicht „Ach, Andi wird morgen schon einsatzbereit sein.“

Sonntag Morgen die Gewissheit via WhatsApp: Gröbl out. Der Ablauf-Plan somit ein Fall für die Tonne.

So hätte die Sendungseröffnung in der Theorie aussehen sollen:

Die Lösung? So nahe(liegend) und doch so fern

Wer kann, wer soll denn jetzt mit Patrick Mössmer die Sendungseröffnung bestreiten? Wer macht denn jetzt das Interview mit dem damals recht neuen HCI-Vorstand Norbert Ried?

Man kann darüber streiten, ob es nun Fluch oder Segen war, so wenig Vorlaufzeit für eine Lösungsfindung zu haben, aber die Antwort lautete schließlich und endlich: der Leiter der Sendung selbst.

Der Vorlauf mit Patty Mössmer? Der wird einfach voraufgezeichnet und wird dann „live“ eingespielt. Zu diesem Zeitpunkt werde ich dann ohnehin wieder am Ü-Wagen sitzen.

Die Sendungseröffnung der Übertragung

Die Interviews nach dem Drittel? Da werfen wir Patty einfach mal ins kalte Wasser und machen ihn auch gleich noch zum Fragesteller. Mit meinen Anweisungen vom Ü-Wagen aus wird das schon klappen. Unter dieser Prämisse eigentlich noch beeindruckender, wie sich Patty schlussendlich geschlagen hat.

Mössmers erste Gehversuche als Interviewer – bravourös gemeistert

Das wohl größte Wunder dieses Abends? Dass Mössmer in einem Instagram-Post nach dem Spiel doch tatsächlich geglaubt hat „mit Profis gearbeitet zu haben“:

Einmal Interview und zurück

Der Knackpunkt im kurzfristig ersonnenen LDS-Moderator-Setup? Das Live-Interview mit Norbert Ried in Drittelpause 2.

Das Durchführen dieses Gesprächs wäre Mössmer ob der angepeilten Länge sowie den Inhalten und Abläufen aus redaktioneller Sicht nicht zumutbar gewesen. Darum einmal mehr: guter Rat ist teuer. Aber nur kurz.

Warum nicht die komplette Crew so briefen, dass es möglich ist, kurz den Ü-Wagen zu verlassen, um das Interview zu führen und sodann wieder dorthin zurückzukehren?

Gedacht, gesagt, getan: Ein längeres Analyse-Gespräch bei den Kommentatoren, ein Sprint vom Ü-Wagen zur Interview-Position (sprich einmal quer durch die Halle), eine rasche Verkabelung und das Einzählen, das zur Abwechslung der Regisseur und eben nicht der LDS übernimmt *uuuuund sprechen*

Vom Ü-Wagen zum Interview in locker unter 50 Sekunden – rekordverdächtig

Und auch wenn das Team hinter den Kulissen – wie von Patty Mössmer schon richtig vermutet – tatsächlich aus absoluten Profis besteht, so war es mir dennoch ein Anliegen, auch verbale Direktiven zu erteilen. Zu sehen / zu hören bei Minute 02:43 in obigem Clip.

Einmal Ü-Wagen und zurück (zum Interview)

Das Interview ist zu Ende, Mikro, In-Ear & Empfänger werden flugs abgelegt, der nächste Sprint zurück in Richtung Ü-Wagen steht an. Es gilt das 3. Drittel zu produzieren. Ein Abschnitt, der nicht ganz so ereignisreich wie die Durchgänge 1 & 2 verläuft.

Peter Mueller erzielt letztlich das Game-Winning-Goal, woraufhin er zum Eisner Auto Man of the Day avanciert. Warum das hier angeführt wird? Weil die „Man of the Day“-Auszeichnung auch immer mit der Übergabe einer Medaille und einem Live-Interview inklusive Abmoderation verbunden war. Darum einmal mehr: Analyse bei den Kommentatoren, Sprint vom Ü-Wagen auf’s Eis, *uuuuuund sprechen*

Ab dem zweiten Mal gilt ein und dasselbe Muster im Bewegtbild-Geschäft ohnehin schon als Routineablauf.

Ohne jegliche Eitelkeit: dass ein/e Ü-Wagen-Mitarbeiter/in auch gleichzeitig On-Air-Aufgaben erfüllt, dürfte in Österreich im Allgemeinen und im Hockey im Speziellen nicht allzu oft (wenn überhaupt) vorgekommen sein (Sachdienliche Hinweise, die das Gegenteil belegen, bitte gerne durch schicken). Dass es überhaupt so weit kam ist vielen Zufällen und großem Personal-Mangel geschuldet. Aber auch einer äußerst flexiblen und höchst professionellen Crew zu verdanken. Weswegen diese Anekdote auch einen Platz in der Geschichtsschreibung rund um „10 Jahre Servus Hockey Night“ verdient.

Demnächst hier auf www.servushockeynight.com:
30.12.19: Wenn Bozen nur 4 Meter von Salzburg entfernt ist
02.01.19: „Ich spreche“ – die legendäre Eishockey-Konferenz