In unserer Serie „Unsung Heroes“ stellen wir euch jene Personen vor, die am Erfolg der Servus Hockey Night maßgeblich beteiligt waren.

Text: Martin Pfanner

Jedes Ende bringt Wehmut und auch Tränen mit sich. Am 10. März ist die Servus Hockey Night unrühmlich und abrupt zu Ende gegangen. Dabei galt es noch so viele verdiente Mitarbeiter hervorzuheben. Das tun wir nun über die nächsten Wochen an dieser Stelle. Heute Teil 4: Der Producer.

Wir schreiben den Sommer 2014. Wie jedes Jahr schafft es eine Hand voll an Kandidaten, sich für einen der begehrten Praktikumsplätze bei der Servus Hockey Night zu bewerben.

Warum begehrt? Weil die Chancen auf eine Übernahme bzw. eine Vollzeitanstellung nach Ende des Praktikums im Vergleich zu anderen Sendern vergleichsweise hoch ist. Doch dazu später.

Auftritt: Markus Unterweger

Ein junger Mann sitzt vor dem damaligen Redaktionsleiter Philip Wolfarth und meiner Wenigkeit. Ich durfte damals bei einigen der Bewerbungsgespräche mit dabei sein und muss retrospektiv feststellen, dass ich dabei wohl öfter als nicht die „bad cop“-Rolle eingenommen habe.

Aus gutem Grund: Eine Eishockey-Saison ist kein Kindergeburtstag, oder um es mit der beliebten Trainer-/Spieler-Floskel zu sagen: „It’s not a sprint, it’s a marathon.“ Wer nicht bereit ist, hin und wieder länger als acht Stunden zu arbeiten, wird im Beruf wenig Erfolg haben.

Spätestens in den Playoffs, wo alle zwei Tage ein Spiel ansteht und dazwischen die Partien nach- und vorbereitet werden müssen, wäre eine laxe Arbeitseinstellung rasch problematisch.

Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein und letztlich vor allem auch Spaß an der Aufgabe sind (für mich) allesamt zwingend vonnöten um beim Erfolg der Servus Hockey Night mit zu helfen.

Der Pfanner’sche Herz- und Nieren-Test

Auch deswegen wurde Markus Unterweger von mir in die Mangel genommen. Als ehemaliger Profi bei Red Bull Salzburg is er zwar durch die Pagé’sche „Speed and Skills“-Schule gegangen, aber die ist nichts im Vergleich zum Pfanner’schen Herz- und Nieren-Test.

Keine meiner Fragen brachte ihn damals groß in Bedrängnis. Auf jede hatte er zumindest eine Antwort. Wolfarths saloppes Resümee nach dem Gespräch? „Den nehmen wir.“ Pfanners Replik: „Jup, kann ich verstehen.“

Von Markus zu „Uwe“

Markus Unterweger wird als Praktikant Teil der EBEL-Redaktion. In der räumlich benachbarten DEL-Redaktion – mit der es personell immer wieder einen Austausch gab – saß aber bereits ein anderer Mitarbeiter mit dem Vornamen Markus.

Dieser – nennen wir ihn DEL-Markus – hatte bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Eurosport ebenfalls das zweifelhafte Vergnügen, als zweiter Markus Teil der Stammcrew zu sein. Dort wurde er dann einfach „Uwe“ gerufen.

Die Lösung des Servus Hockey Night-Problems? Der DEL-Markus war weiterhin Markus, der EBEL-Markus war nun ein Uwe. Wenige Monate später war der Name schon so stark verbreitet, dass nur noch wenige Mitarbeiter der Servus Hockey Night überhaupt den tatsächlichen Vornamen Unterwegers wussten.

Oft begann er Anrufe mit „Hallo, hier ist der Markus…also der Uwe…“. Uwe hat für viele irgendwie gepasst. Uwe blieb „picken“. Ich habe ihn trotzdem immer Markus genannt.

ADHS positiv

Mit ADHS wird gemeinhin nicht viel Gutes in Verbindung gebracht. Unterweger hat ADHS, allerdings Arbeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und zwar positiv. Die sprichwörtlichen Hummeln im Allerwertesten sind bei ihm mehrere riesige Hummelnester.

Die größte Herausforderung für ihn ist es sich zu limitieren und nicht ZU viel zu wollen. Ein durchaus angenehmes Problem in einem Bereich, der sehr schnell mit sehr viel Tätigkeiten aufwarten kann.

Darüber hinaus ist Unterweger einer dieser Menschen, bei denen man sich partout nicht vorstellen kann, dass es Leute gibt, die ihn nicht mögen könnten. Am ehesten steht Kollege Unterweger mit der deutschen Rechtschreibung und Grammatik auf Kriegsfuß. Auch dazu später Genaueres.

Uwe - ADHS positiv
Uwe ist ADHS positiv

Der Duracell-Uwe

Als Praktikant drängt sich Unterweger auf. Er will Arbeitsabläufe so rasch wie möglich verstehen, bisweilen hinterfragt er sie völlig zu Recht. Er sitzt am Schnittplatz und gestaltet Einspieler für die Sendung. Er hilft mit, die Facebook-Seite der Servus Hockey Night zu warten. Er interessiert sich für die Kameraarbeit. Er will bei Sendungen am Ü-Wagen mithelfen. Er liefert Inputs, wie sie nur ehemalige Profis bieten können.

Das Arbeitstier Uwe schiebt viele Stunden Extradienst. In den Playoffs – die er seit der eigenen Karriere ausschließlich in kurzen Hosen bestreitet – wird der Sender für sechs Wochen zu seinem Hauptwohnsitz.

Der Aufwand macht sich bezahlt. Am Tag nach der Kür von Red Bull Salzburg zum Champ der Saison 2014/15 bekommt er mitgeteilt, dass er als Producer angestellt wird.

Producer, neudeutsch für Redakteur; bei Unterweger ist dieser Terminus Technicus Programm. Er produziert, er liefert, er läuft, er macht, er kreiert, er gestaltet, er postet, er filmt, er schneidet, er photoshopt. Unermüdlich. Wie ein Duracell-Hase, dem nie der Saft ausgeht.

Er macht - er filmt - er kreiert
Er macht – er filmt – er kreiert

Uwe ruht? Weit gefehlt!

Unterweger entwickelt sich zum Allrounder. Jemand, der alles macht und machen will. Nach den Playoffs – wo viele eine längere Verschnaufpause benötigen – wirft er sich sofort in die nächsten Projekte.

Die MotoGP, der Wings for Life World Run, das Erzbergrodeo müssen als Überbrückung herhalten bis er im Juli endlich wieder die Hockey-Vorbereitungen angehen kann.

Der EBEL Media-Day und die vielen 100 Clips, die daraus entstehen: zum großen Teil basierend auf Unterwegers Ideen. Die Einspieler und Beiträge für die Sendungen der letzten fünf Jahre: meist durch Uwes Finger gegangen.

10 Jahre Servus Hockey Night und „Pfanner kann’s“: von Markus co-ersonnen und umgesetzt.

Uwe beim Dreh mit Martin Pfanner zu „Pfanner kann’s“

Der letzte Playoff-Opener der Servus Hockey Night-Geschichte: Ihr könnt euch sicher vorstellen, auf wessen Konto dieser geht.

Playoff Opener Saison 2019/20

„Ein typischer Uwe“

Und gleichzeitig hat Unterweger in seiner grundsympathischen Art auch ein geflügeltes Wort kreiert. Bei seinem Arbeitsvolumen kein Wunder. Ein „typischer Uwe“ ist gemeinhin ein Beitrag, ein Sujet oder ein Social Media-Post, der zwar gut und richtig gemeint, aber nicht immer ganz fehlerfrei ist.

Perfektion wäre auch wirklich zu viel des Guten. Charme hat auch das, was vielleicht in der Hektik nicht ganz zu Ende gedacht oder gemacht worden ist. Auch seine Instagram-Stories machen da manchmal keine Ausnahme.

„Ein typischer Uwe“

Und so ist es irgendwie auch passend, dass die letzte reguläre Servus Hockey Night am 8. März 2020 von ihm geleitet wurde.

Und trotz oder vielleicht auch gerade wegen „typischer Uwes“ hat sich Markus bis hin zum Leiter der Sendung entwickelt. Sendungsplanung, Sendungsumsetzung, Sendungsverantwortung – gemeinhin das redaktionelle Hochamt am Ü-Wagen.

Vom Praktikanten zum Leiter der Sendung.
Von Markus zu Uwe.
Vom Eishockey-Profi zum Medien-Profi.

In diesem Sinne: DANKE Markus! DANKE Uwe!

Darum: Wenn ihr das nächste Mal bei ServusTV eine Sportübertragung seht, die durchdacht, kleinteilig und fast perfekt ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Markus „Uwe“ Unterweger etwas damit zu tun hat. Denkt an und dankt solchen Leuten wie ihm. Immer da, immer gut, für immer „unsung heroes“ der Servus Hockey Night.

Lest demnächst Teil 5 der „unsung heroes“: Der Projektleiter

Unsung Heroes – Bisher erschienen:
Unsung Heroes – Teil 1: Der Regisseur
Unsung Heroes – Teil 2: Die Grafik
Unsung Heroes – Teil 3: Der Ü-Wagen-Leiter