In unserer Serie „Unsung Heroes“ stellen wir euch jene Personen vor, die am Erfolg der Servus Hockey Night maßgeblich beteiligt waren.

Text: Martin Pfanner

Jedes Ende bringt Wehmut und auch Tränen mit sich. Am 10. März ist die Servus Hockey Night unrühmlich und abrupt zu Ende gegangen. Dabei galt es noch so viele verdiente Mitarbeiter hervorzuheben. Das tun wir nun über die nächsten Wochen an dieser Stelle. Heute Teil 1: Der Regisseur.

Kennt ihr Heli Gürtl?

Habt ihr schon mal von Helmut „Heli“ Gürtl gehört? Wenn ja, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass ihr in der TV-Branche arbeitet und/oder absolute Eishockey-Insider seid.

Anders gefragt: Habt ihr schon mal was von Helmut Gürtl gesehen? Hier dürfte – wenn ihr Eishockey-Fans seid – die Antwort „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit!“ lauten. Denn gut drei Viertel aller Servus Hockey Nights sind im wahrsten Sinne des Wortes durch/über die Finger des Steirers gegangen.

Helmut Gürtl
Helmut Gürtl

Der Herr der Bilder

Helmut Gürtl ist Regisseur und damit der Herr der Bilder, die via Ü-Wagen in die heimischen Wohnzimmer geliefert werden. Heli erstellt die nicht unkomplexen Kamerapläne, brieft die Kameraleute und setzt die Sendung nach den inhaltlichen Wünschen und Anforderungen der Redaktion bildlich in Szene. So weit die Theorie.

In der Praxis bedeutet das im Rahmen der Vorberichterstattung, des Spiels und in der Nachberichterstattung tunlichst keine Fehler zu machen, da diese im Bildschnitt oder bei den verschiedenen Tonquellen zumeist als erstes auffallen.

Bis vor drei Jahren wurde die Servus Hockey Night auch noch im Grunddurchgang mit über 15 Kameras, großem Studio und nicht weniger als fünf On-Air-Personen übertragen.

Was bedeutet, dass 15 Kamera-Quellen geschnitten werden konnten. Ebenjene Moderatoren, Interviewer oder Kommentatoren dem Sendungston beigemengt werden konnten und dann noch nicht mal das Spiel, welches ohnehin seine eigene Geschichte schreibt, Berücksichtigung fand.

Wie fange ich ein Eishockey-Spiel optimal ein?

Und darum geht es letztlich. Wie fange ich ein Eishockey-Spiel optimal ein? Ein frei gewähltes Beispiel: Welches Ereignis hat nach einem Tor Priorität? Der Jubel der Mannschaft mit dem Erfolgserlebnis? Der fuchsteufelswilde Coach des Gegners? Der Jubel der Fans?

Oder doch so rasch als möglich die Wiederholung des Tors? Aber in welcher Reihenfolge? Erst die Kamera „Hintertor Hoch“? Oder doch lieber die „Ecke links“? Ist möglicherweise die „2“ aka „die nahe Führung“ die beste Wahl?

Für manche dieser Entscheidungen bleibt nicht viel Zeit und auch wenn absolute Vollprofis an den Slomo-Maschinen die besten Bilder zuliefern, so entscheidet letztlich der Tastendruck des Regisseurs darüber, wie Tore / Chancen / Aufreger / generell: ein Spiel abgebildet werden.

Man behalten einen kühlen Kopf

Kühlen Kopf zu bewahren ist hierbei das Eine, immer und immer wieder die richtigen Entscheidungen zu treffen das gänzlich Andere. Hilfreich bei Gürtls Genie? Seine Akribie.

Als gelernter Kameramann kommt es bei ihm bildlich auf jedes Detail an. Schnell werden Bildingenieure am Ü-Wagen darüber belehrt, dass die Farbtemperatur in die Kamera 6 nicht zu den anderen Kameras passt.

Rasch wird dem Kameramann, der die Interviews macht, vermittelt, dass die Schärfe nicht am Gegenüber, sondern der im Hintergrund befindlichen Wand liegt. Oder aber die Blende noch zu gering ist. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Heli, die „Schärfensau“

Ein Kollege aus dem Fach Regie-Arbeit hat mir vor ein paar Jahren erzählt, dass Helmut Gürtl – als er noch als Kameramann mit dem Ski-Zirkus unterwegs war – teamintern als „Schärfensau“ bezeichnet worden ist. Warum?

Weil ein Kameramann, beispielsweise bei einem Abfahrtsrennen, permanent die Schärfe der Kamera nachziehen muss. Einer, der immer scharf auf dem/der Fahrer war? Ihr könnt es euch schon fast denken: Gürtl.

Wer ein Gefühl für gute TV-Bilder hat und noch dazu für den Eishockey-Sport, der besitzt eine gute Ausgangslage für eine stimmige Produktion. Oder stimmige Produktionen.

In zehn Jahren…

In zehn Jahren kein einziges Tor live verpasst zu haben, spricht für Gürtl. In zehn Jahren immer auf die teils kruden Wünsche der Redaktion einzugehen und sich manchmal (eher ganz selten, aber doch) eines Besseren belehren zu lassen, spricht für Größe.

In zehn Jahren zirka 30 Sekunden vor dem Start einer jeden Sendung dem gesamten On-Air-Team via Sprechstelle „Spaß und Freude“ ins Ohr zu hauchen, das spricht für sich selbst.

Spaß und Freude daran, Eishockey sauber abzubilden, richtig zu erzählen und vor allem scharf zu inszenieren. Danke Schärfensau!

Darum: Wenn ihr das nächste Mal im hiesigen Raum eine brillante Eishockey-Übertragung seht, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Helmut Gürtl an den Reglern sitzt. Denkt und dankt einem wie ihm. Immer da, immer gut, für immer „unsung hero“ der Servus Hockey Night.

Das nächste Mal bei „Unsung Heroes“: Die Grafik

Being a Pro – Being a Forward