In unserer Serie „Unsung Heroes“ stellen wir euch jene Personen vor, die am Erfolg der Servus Hockey Night maßgeblich beteiligt waren.

Text: Martin Pfanner

Jedes Ende bringt Wehmut und auch Tränen mit sich. Am 10. März ist die Servus Hockey Night unrühmlich und abrupt zu Ende gegangen. Dabei galt es noch so viele verdiente Mitarbeiter hervorzuheben. Das tun wir nun über die nächsten Wochen an dieser Stelle. Heute Teil 2: Die Grafik.

Es gibt dankbarere Jobs im TV-Business als Sendegrafiker zu sein. Warum? Weil Fehler in der On-Air-Grafik meist als erstes ins Auge springen. Weil man für manche Fehler schlicht nichts kann. Oder aber, weil Fehler mitunter sehr peinlich sein können – wie auch hier zu sehen ist:

10 Jahre Servus Hockey Night: Upps! Die Pannenshow

Bevor ich euch die beiden Personen, die die Servus Hockey Night nicht nur grafisch geprägt haben, näher vorstelle, ein kurzer Exkurs:

Sommer 2010. Der junge Salzburger Sender ServusTV schickt sich an, die Eishockey-Berichterstattung in neue Sphären zu heben. Mit dabei: ein kleines steirisches Unternehmen (2020 würde man es wohl Start-up nennen) namens HockeyData.

Die beiden Geschäftsführer Martin Vejvar und René Ortner sind studierte Naturwissenschafter und – fast ebenso wichtig – absolute Hockey-Freaks. Sie dachten in Dimensionen, die für Österreich völlig neuartig waren.

Live-Scouting bei Übertragungen, Werte, die so im heimischen Hockey noch nie erhoben worden sind, Shot-Charts, Time on Ice, Analytics, you name it. Dinge, die in vielen Ligen zehn Jahre später großteils noch immer nicht vorhanden sind, hatte HockeyData 2010 schon (theoretisch) im Gepäck.

Ein Job, der wenig bis keine Verschnaufpausen zulässt

Nach der Premierensaison und einigen Problemen mit dem Grafik-System übernahm HockeyData dann auch das „Operating“ der Live-Grafik. Fortan saßen HockeyData-Mitarbeiter am Ü-Wagen zumeist sehr nahe am Regisseur und bedienten die Uhr, gestalteten Infozeilen und Bauchbinden oder recherchierten im Handumdrehen komplexe Werte und Zahlen, die sodann in Grafiken umgemodelt wurden.

Ein Job, der wenig (ok, keine) Verschnaufpausen zulässt, da am TV-Schirm grafisch fast ständig etwas passiert. Darum nur folgerichtig, dass es belastbarer und nervenstarker GFX-Operator bedurfte.

Furniture, Person, Human
Martin Vejvar (im Vordergrund)

Auftritt: Nicole Weiss & Simon Kazianka

Kein Zufall, dass beide aus Kärnten kommen. Kein Zufall, dass beide nervenstark sind. Kein Zufall, dass sowohl Weiss als auch Kazianka die letzten Jahre alle Sendungen der Servus Hockey Night grafisch zu verantworten hatten. Aber jede/r für sich.

Person, Human, Clothing

Nicole Weiss, Martin Vejvar, Simon Kazianka

Das ist Nicole Weiss

Als Praktikantin 2010 zu denkbar ungünstigsten Zeit in die Servus Hockey Night-Redaktion gekommen. Workflows entstanden teils täglich neu. Die Personaldecke war viel zu dünn. In den Playoffs war sie durch den Wegfall eines anderen Praktikanten bei der Spieltagsbetreuung im Sendezentrum dann völlig auf sich allein gestellt.

Das hieß Dienstbeginn oft um 10 Uhr morgens oder früher, Dienstende an Spieltagen bzw. bis alles erledigt war, teils weit nach Mitternacht. Weiss‘ Vita (studierte Kommunikationswissenschafterin, perfektes Englisch, fließend in schwedisch und russisch) wäre eigentlich viel zu illuster für die Knochenmühle TV, aber da mit den Grundtugenden Hartnäckigkeit, Beharrlichkeit und Leidenschaft ausgestattet, dann doch wie gemacht für toughe Jobs.

Ich persönlich würde sogar noch etwas weiter gehen. (Fast) völlig egal welche Art Unternehmen ihr führt, gründet oder konsideriert, Nicole Weiss sollte in den Top 3 eurer Mitarbeiter-Auswahl sein.

Als ServusTV im Jahr 2011 einen Ausflug ins Fach der Triathlon-Übertragungen gemacht hatte und Weiss dort Österreichs Triathlon-Olympiasiegerin Kate Allen kennen lernen durfte, war sie fortan vom Schwimmen-Radfahren-Laufen-Fieber gepackt.

Seither sind zahlreiche Ironman 70.3-Finishes, eine volle Ironman-Distanz und die Qualifikation für die Ironman 70.3-Weltmeisterschaft (!!) im Herbst hinzugekommen. Alles – ganz locker – nebenbei.

Dass es schließlich in Richtung GFX-Operator ging, hatte mehrere Gründe. Einerseits, weil Weiss bei HockeyData anheuerte. Andererseits, weil schon früh klar war, dass ihr Gefühl für den Sport, Zahlen und Fakten außergewöhnlich ist.

Als ehemalige österreichische Nationalteamspielerin fast logisch. Immer dann, wenn die Kommentatoren über einen Spieler gesprochen haben und postwendend eine dazu passende Grafik in der Infozeile aufschien, lag es daran, dass auf Seiten des Grafik-Operators aufmerksam zugehört worden oder zumindest gut antizipiert worden ist.

Und auch wenn es den einen oder anderen Grafiksystem-Crash, Hallenuhr-Probleme oder Schnittstellenprobleme gab, im Umgang und Handling bestach Weiss mit Ruhe. Abgebrühtheit und der notwendigen Portion Humor (wer jemals ihre Schilderung als Augen- und Ohrenzeugin dieser Geschichte gehört hat, weiß, wovon ich spreche).

Das ist Simon Kazianka

Die richtige Grafik zum richtigen Zeitpunkt setzen ist die eine Geschichte. Die nicht minder Wichtige: diese Zahlen, Werte und Statistiken überhaupt zur Verfügung zu haben.

Dafür zeichnete sich über die letzten Jahre Kazianka verantwortlich. Der Herr der Zahlen präparierte für die Übertragungen Statistik-Sheets im Umfang von 20-30 Seiten.

Ein Beispiel dafür? Hier ist eine Seite aus unserer Statistik-Mappe für Viertelfinale 4 – Linz vs. Klagenfurt, welches es letztlich dann nicht mehr gab:

Und nun nehmt diesen (positiven) Informationswahnsinn und multipliziert ihn auf 20 oder 30 Seiten. Und das war nur die Standardausführung. In der allwöchentlichen Telefonkonferenz zu den Sonntagssendungen waren Sätze wie diese nicht ungewöhnlich:

„Simon, kannst du dir man ansehen, ob nach 15 Spieltagen jemals ein österreichischer Spieler schon so viele Assists verbuchen konnte?“

„Simon, wie würde die Tabelle aussehen, wenn alle Spiele mit 58:00 zu Ende gegangen wären?

„Simon, welcher Spieler hat in den letzten fünf Jahren die meisten Game Winning Goals erzielt?

Eine Fragenliste, die schier endlos war. Und dennoch hat Kazianka immer geliefert. In der sonst so hoch entwickelten Schweiz ist einem Kommentator angesichts des Servus Hockey Night-Stat-Sheets unlängst die Kinnlade auf den Boden geknallt.

Form, Umfang und Tiefe der Recherche sind dort nicht verfügbar. Und wenn man von den Hockey-Schweizern um etwas beneidet wird, dann ist das in Mitteleuropa wohl das größte Kompliment für herausragende Arbeit.

In diesem Sinne: DANKE Nicole, DANKE Simon!

Darum: Wenn ihr das nächste Mal im hiesigen Raum einer Eishockey-Übertragung mit informativen, passenden und fehlerfreien Grafiken seht, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Nicole Weiss oder Simon Kazianka am Ü-Wagen sitzen. Denkt an und dankt solchen wie ihnen. Immer da, immer gut, für immer „unsung heroes“ der Servus Hockey Night.

(P.S.: Keine der in diesem Artikel erwähnte Person hatte etwas mit dem Susi-Sorglos-Fehler zu tun).

Lest demnächst Teil 3 der „unsung heroes“: Der Ü-Wagen-Leiter

Bisher erschienen:
Unsung Heroes – Teil 1: Der Regisseur

Trash-Talk: Die Sitzordnung – wer sitzt wo?