Ein Lokalaugenschein bei den Dornbirn Bulldogs offenbart – wie fast jedes Jahr – viel Neues, aber auch Altbewährtes. Für die Vorarlberger scheint sowohl nach oben, als auch nach unten alles möglich. Und das vor dem verflixten 7. Jahr der Liga-Teilnahme. 

Text: Martin Pfanner // Auf Twitter: @mpfanner  // Auf Instagram: @martinpfanner

An dieser Stelle findet ihr fortan in unregelmäßigen Abständen Einschätzungen der Servus-Hockey-Night-MitarbeiterInnen zur Spielzeit 18/19. Ob VOR, WÄHREND, oder NACH der Saison, es gilt: immer subjektiv und auf eigenen Beobachtungen beruhend. Darüber hinaus: Immer fair, aber manchmal kontrovers.

Ein paar einleitende Zeilen

48 Stunden nach der 0:2-Heimniederlage im 3. Testspiel der Pre-Season versammelt Bulldogs Head Coach Dave MacQueen seine Mannschaft zum Training. Die markanteste Stimme der Erste Bank Eishockey Liga dirigiert die Drills gewohnt direkt und durchdringend.

Der 59-jährige Kanadier geht in seine bereits siebte Saison als Chef auf der Dornbirner Kommandobrücke. Nie zuvor in der Liga-Geschichte hat ein Trainer sieben Jahre am Stück bei einem Verein gearbeitet. Fans der Bulldogs kennen seit der Liga-Zugehörigkeit 2012/13 somit nur MacQueen als Trainer. Vor dem verflixten siebten Jahr in der Erste Bank Eishockey Liga ist die Aufgabe für Trainer und Mannschaft klar: NACH einer Saison mit Playoff-Qualifikation eine weitere folgen zu lassen. Bisher ging es nach verpassten Playoffs immer in die Runde der letzten 8. Und umgekehrt. Die Fleißaufgabe: endlich auch eine Playoff-Serie zu gewinnen. Ob realistisch oder nicht: Dazu etwas weiter unten mehr.

Ein paar Sätze zu Dave MacQueen

Nachdem andere Dauerbrenner wie Pierre Pagé (07/08 – 12/13 bei Red Bull Salzburg) die Trainerbank, oder Rob Daum (11/12 – 16/17) die Liga verlassen haben, befindet sich MacQueen allein auf weiter Flur. Kein anderer EBEL-Coach kommt auf mehr als zwei volle Dienstjahre beim jeweils aktuellen Arbeitgeber. Würde MacQueen in der kommenden Spielzeit die Playoffs erreichen, so käme er auf mindestens 400 Partien als Bandengeneral. Das wäre (zumindest) Platz vier in der ewigen Bestenliste, da Järvenpää mit Fehervar ebenfalls brav weitere Einsätze sammelt. (Meiste Spiele EBEL-Trainer: Greg Holst 449, Jim Boni 408, Pierre Pagé 399, Rob Daum 387, Hannu Järvenpää 384, Manny Viveiros 353, Dave MacQueen 342). Dass es in punkto Siegen noch ein wenig länger dauert bis er den bisher erfolgreichsten Coaches nahe kommt, liegt angesichts der über die Jahre fehlenden Dornbirner Konstanz durchaus auf der Hand (Meiste Siege EBEL-Trainer: Holst 240, Daum 237, Page 234, Boni 224, Viveiros 204, Järvenpää 178, Macqueen 151).

Ein paar Zeilen zur Mannschaft

Neue Saison, viele neue Gesichter. So oder so ähnlich hätte man wohl bisherige Frühjahre / Sommer im Ländle (und nicht nur dort) zusammenfassen können. Die aktuelle Signing- bzw Transferperiode soll da keine Ausnahme sein. Mit Martin Grabher-Meier und Chris D’Alvise sind zwei langjährige Stützen in den Nachbarort Lustenau gewechselt, mit Jamie Arniel hat gar der Kapitän mit Wien einen neuen Arbeitgeber gefunden. Top-Torschütze Matt Fraser wurde von Augsburg erfolgreich geködert. Die Löcher im Kader sind fast durchwegs mit Legionären gefüllt worden. Dabei erwartet der Club sich von Brodie Dupont (1. Jahr in Österreich), Radek Cip (Ex-Znojmo-Stürmer) und Joel Broda (4. Jahr in der Erste Bank Eishockey Liga) am meisten. Letztgenannter war am Trainingstag mit dem gelben Jersey (siehe Foto) auffällig unterwegs. Die Signalfarbe gab es allerdings aus gutem Grund, da Broda mit einer kleinen Verletzung für „contact drills“ noch geschont worden ist. „Wäre es ein Grunddurchgangsspiel, dann wäre er einsatzbereit“, so MacQueen.

Aktuell werden noch zwei weitere Verstärkungen (vulgo Legionäre) gesucht. Ein Verteidiger und ein Stürmer sollen den Kader noch verstärken. Beim Stürmer hätte man dem Vernehmen nach bereits einen Wunschkandidaten, die Gehaltsvorstellungen liegen derweil aber noch zu weit auseinander.

Joel Broda im gelben „No Contact“-Jersey

Ein paar Zeilen zum Umfeld

Der starke Mann in Dornbirn ist seit jeher Manager Alexander Kutzer. Als de-facto Ein-Mann-Unternehmen ist er im Alleingang für Profi-Eishockey in Dornbirn verantwortlich. Und muss seit geraumer Zeit mit ansehen, wie die Kommunal- und Landes-Politik an den Bulldogs vorbei manövriert. Nach dem Einstieg in die Erste Bank Eishockey Liga „wurden infrastrukturelle Ziele“ deklariert, aber nie vollständig erreicht. Während IN der Dornbirner Messehalle nahezu jährlich Verbesserungen feststellbar sind, so klafft NEBEN der Bulldogs-Heimstätte eine große Lücke (siehe Foto). Hier hätte eine zweite Eisfläche entstehen können. Das Schlüsselwort ist selbstverständlich: HÄTTE. Augenblicklich wird dort an einer Turn- und Badminton-Halle gebaut, was laut Kutzer im diametralen Gegensatz steht, was die Zugeständnisse WÄHREND der Aufstiegsphase anbelangt. Doppelt bitter für den DEC: die Infrastruktur wäre ursprünglich so ausgelegt gewesen, dass Kühlelemente, Sanitäranlagen und Kabinentrakte an die benachbarte (Eis-)Halle hätten „angeschlossen“ werden können.

Dafür finden sich die größten Veränderungen heuer im Trainerstab der Bulldogs. Mit Janne Pekkarinen fungiert erstmals ein Vollzeit-Coach als Torhüter-Trainer. Und mit Simon Sengele arbeitet ein dezidierter Fitness-Coach mit der Mannschaft an Physis und Belastungsgrenzen.

„Hier könnte Ihre Eishalle stehen“. Tut sie aber nicht.

Ein paar Zeilen zur Dornbirner Saison 18/19

Torhüter Rasmus Rinne war in der vergangenen Saison der Königstransfer der Dornbirner. Seine Vertragsverlängerung wird – wenn er verletzungsfrei bleibt – Gold wert sein. Back-Up Thomas Stroj soll(te) heuer mehr Spiele als Nummer zwei absolvieren dürfen (2017/18 waren es vier Einsätze, Anm.).

Der Rest wird sich – wie immer in Dornbirn – fügen. Immerhin gilt es nicht nur jede Menge Abgänge, sondern auch damit einhergehend, zum Beispiel gleich sieben von elf Power-Play-Torschützen zu ersetzen. Doch am Ende ist es relativ simpel: bleibt Dornbirn (wie in fast jeder Playoff-Saison) vom Verletzungsteufel verschont, dann reicht es für die Runde der letzten 8. Sollte das Lazarett im November bereits (zu) groß sein, dann wird sich die Serie aus „Keine Playoffs“-„Playoffs“-„Keine Playoffs“-„Playoffs“ fortsetzen. Ausgerechnet im verflixten 7. Jahr.

Die hieb- und stichfeste Prognose:

Dornbirn rutscht über die Zwischenrunde und Platz sieben in die Playoffs. Die anschließende Viertelfinalserie geht über sieben Spiele. Die Serie wird dann in der Overtime entschieden.

Video: Erste Bank Eishockey Liga – 21 Tore in 180 Sekunden