Pre Season-Interviewserie: Miroslav Frycer (Orli Znojmo) spricht über seine Besonderheiten in der Vorbereitung und was ihm an Klagenfurt gut gefällt.

Interview: Erich Hober

servushockeynight.com: Wie war die bisherige Vorbereitung aus Ihrer Sicht?

Ich sehe die Vorbereitung sehr positiv. Die neuen Spieler haben Neues mit eingebracht, mehr Intensität, mehr Wille. Es ist viel Drive im Training. Ich bin zurzeit sehr zufrieden.

Sie werden, wie viele Spieler auch, als Trainer in der Vorbereitung Aufgaben haben, die Sie gerne machen und welche, die man am liebsten abgibt. Wie schaut es damit bei Ihnen aus?

Das ist immer so. Das sind die kleinen Dinge, wo man sieht, dass man sich noch verbessern kann. Ob auf dem Eis oder in der Vorbereitung, man sieht, es sind nicht alle gleich. Der eine hat ein bisschen schwere Haxen, der andere hat wieder was anderes. Wir hatten und haben noch genug Zeit, um uns zu verbessern.

Sie persönlich würden nichts von der To Do-Liste als Trainer streichen?

Ach so, ja schon. Immer diese Warterei vor den Spielen. Jeder Spieler präpariert seinen Schläger, macht irgendwas so wie Stretching. Aber für uns Trainer – entweder Kaffee oder einige Zigaretten. Wenn wir irgendwohin kommen und gleich spielen, das ist was anderes. Aber diese Warterei vor dem Spiel ist nach so vielen Jahren als Trainer für mich tödlich. Also echt, diese Warterei …

Und die vielen Zigaretten …

Ja, sowieso (lacht).

Welche Spieler in Ihrem Team haben Sie bisher überrascht?

Von jenen Spielern, die aus der letzten Saison geblieben sind, weiß ich, was ich an ihnen habe. Sie haben sich mental verbessert. Sie haben kapiert, was wir wollen. Und die Neuzugänge? Die Vorbereitung ist was anderes als die Meisterschaft. Da bin ich noch gespannt. Aber sie haben bisher einen guten Eindruck gemacht. Sie machen genau das, was ich will. Positiv ist auch, dass unsere Nummer eins im Tor, Teemu Lassila, bei uns geblieben ist. Er ist ein erfahrener Tormann. Es ist wichtig, dass er die nötige Ruhe hat.

Wie wird Znojmo heuer auftreten?

Immer offensives Eishockey. So wie ich es gespielt habe und es als Trainer seit 25 Jahren vorgebe. Aber alles mit Vernunft. Eishockey ist in all den Jahren, was die Taktik betrifft, ziemlich gleichgeblieben. Es sind die Kleinigkeiten, die den Unterscheid ausmachen. Wir wollen schönes Eishockey spielen, mit Aggressivität, viel laufen und wie ich schon sagte, offensiv.

Warum soll ausgerechnet Znojmo am Ende der Saison ganz oben stehen?

Weil wir viel aus der Vergangenheit gelernt haben.

An wen denken Sie, wenn Sie das Wort „Erfolg“ hören?

An meinen Vater Jaromir. Er ist leider schon verstorben, hat mir aber beigebracht, dass man nie aufgeben darf. Egal was passiert. Egal ob im Training oder im Leben, du musst immer kämpfen. Du darfst auch nie zufrieden sein und davon ausgehen, dass du alles weißt, alles kannst. Wenn du Erfolg willst, dann musst du einfach mehr tun. Ich habe immer versucht, es meinen Kindern und Spielern beizubringen.

Die Erste Bank Eishockey Liga ist Ihnen nicht unbekannt. In welcher der Hallen spielen Sie mit Ihrer Mannschaft am liebsten?

Normalerweise muss das zu Hause sein. Aber letzte Saison haben wir daheim zu viele Punkte verloren (grinst). Das war eine Katastrophe. Aber das Publikum in Znojmo ist richtig geil. Die Eishockey-Atmosphäre, also die richtig geile alte Atmosphäre mit allem Drum und Dran, herrscht für mich in Klagenfurt. Da komme ich immer gerne hin.

Wir bereiten Sie sich auf die Spiele vor? Gibt es auch Macken unter Trainern?

Wir haben schon viele Sachen aus dem letzten Jahr weggelassen und wollen uns verbessern. Ich will, dass sich das Powerplay und die Einstellung der Spieler noch verbessert.

Und persönlich?

Man merkt, es ist noch zu früh für mich. Entschuldigung (lacht). Also für mich ist es immer das gleiche. Ich bereite mich mental vor, mache mir wegen der Aufstellung Gedanken. Das ist viel Arbeit. Du kannst ja nicht nur an dich, sondern musst ja auch an die 22 Hansel denken und schauen, wie sie reagieren. Der eine ist ein bisschen ein komischer Vogel, der andere seriös. Andere sind wieder lustig. Nach einer Saison, wenn ich gesund bin, reise ich nach Sardinien. Dort bleibe ich drei Monate und will vom Eishockey nichts hören. Ich komme dann mit voller Kraft zurück. Heuer war die Reise leider nicht möglich, die Zeit zu kurz.

Aber ansonsten sind Sie ein normaler Typ? Ohne irgendwelche Besonderheiten?

Ich rauche, seit ich zwölf Jahre alt bin. Normalerweise rauche ich 20 Zigaretten am Tag. Vor dem Spiel und nach dem Spiel komme ich auf rund 40 Zigaretten. Für mich sind Kaffee und Zigaretten die beste Vorbereitung. Ausspannen und bisschen Musik gehören zur Vorbereitung auch dazu.

40 Zigaretten? Echt jetzt?

Ja, ich rauche wirklich viel (lacht).

Zur Person

Geburtstag: 27. September 1959
Größe/Gewicht: 183cm/91kg
Vereine als Spieler: TJ Vitkovice (Tschechien), Quebec Nordiques, Toronto Maple Leafs, Detroit Red Wings, Edmonton Oilers (alle NHL), EHC Freiburg, ESV Königsbrunn (Deutschland), Bruneck (Italien)
Bisherige Stationen als Headcoach: HC Vitkovice, HC Havirov, SK Karvina, Orli Znojmo (alle Tschechien), Bruneck, Meran, Ritten, Cortina, Fassa (alle Italien), KH Sanok (Polen), Morzine-Avoriaz-Les Gets (Frankreich)
Größte Erfolge: Vizeweltmeister mit der Tschechoslowakei (1979); 1981 WM-Platz 3 (beides als Spieler)

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