Pre Season-Interviewserie: Lukas Haudum (EC KAC) über Eishockey in Toronto, das verdammte erste Mal und flexible Banden.

Interview: Erich Hober

Wie verlief für dich persönlich die bisherige Saisonvorbereitung? Der Sommer war für dich vergleichsweise kürzer als für andere Spieler.

Das stimmt, der Sommer war wirklich kurz im Vergleich zu einer normalen Saison. Ende Mai war die Saison endgültig vorbei. Ende Juni war ich wieder am Eis – in Toronto. Sonst war ich nicht allzu viel am Eis. Anfang August ging es mit der Mannschaft aufs Eis. Es ging aber nicht so gut, wie ich es mir erhofft habe, weil ich aussetzen musste. Ich werde aber bald wieder am Eis sein. Aber ansonsten habe ich mich gut eingelebt. Die Mannschaft ist super, die Atmosphäre gut. Auch die Trainer machen einen guten Job, ebenso die ganze KAC Organisation. Es war von Beginn an ein guter Plan da, hab mich gleich wohl gefühlt.

Böse Zungen behaupten, dass wenn man zurück nach Österreich kommt, es ein Karriererückschritt ist. Auf der anderen Seite bekamst du eine Einladung von den Toronto Maple Leafs. Sowas passiert auch nicht jeden Tag.

Ich sage mal, reden tun viele. Ich glaube, ich bin einer der wenigen, der am besten weiß, wie es im jetzigen Schweden aussieht und in Österreich genauso. Karriererückschritt ist das auf keinen Fall. Der europäische Hockeymarkt vernetzt sich immer mehr. Es kommen immer mehr Skandinavier runter, genauso gehen Österreicher weg. Es vermischt sich ein bisserl, was ich gut finde. Also es ist also auf keinen Fall ein Karriererückschritt. Es ist ein anders Eishockey, das schon. Ich freue mich auf das, was mich erwartet.

Wie ist das Development Camp bei den Toronto Maple Leafs zustande gekommen?

Während der WM hat mich ein Kollege meines Agenten kontaktiert. Ich wurde darüber informiert, dass mich die Leafs einladen würden. Ich war gerüchteweise in der Vergangenheit bereits generell im Gespräch für eine Einladung zu einem Development Camp. Geklappt hat es nun mit Toronto, was sehr geil war. Eine richtig coole Erfahrung.

Ihr hattet bei den Leafs nicht nur Eistraining, sondern vieles mehr. Ein Rundum-Paket sozusagen, oder?

Genau, es war fast mehr rundum als am Eis. Was aber genauso interessant war, wie am Eis. Wir haben einiges gelernt. Dinge, an die man noch nie gedacht hat, aber logisch klingen. Ich werde versuchen, das Erlernte umzusetzen.

Sind die Trainings am Eis in Nordamerika so viel anders als das, was du bisher aus Österreich oder Schweden kennst?

Ehrlich gesagt, bis auf die Eisfläche, die drüben etwas kleiner ist, nicht wirklich. Wir haben mit Technik begonnen, hatten dann ein ganz normales Eistraining, wie man es bei uns auch kennt. Vielleicht mit ein paar anderen Übungen. Aber es ist der gleiche Sport (grinst).

Ist der Traum von der NHL nun ausgeträumt oder hegst du noch Hoffnungen, eines Tages in Nordamerika in der NHL spielen zu können?

Ausgeträumt sicher nicht. Ich bin generell einer, der es so genommen hat, wie es gerade kommt. Ich habe noch nie versucht, zu weit in die Zukunft zu schauen. Natürlich habe ich ein Ziel. Ich will in jedem Training besser werden. Das klingt klischeehaft, aber so denke ich.

Es gibt Dinge, die gefallen einem in der Vorbereitung und Dinge, auf die man ruhig jedes Jahr verzichten könnte. Wie sieht es damit bei dir aus?

Ja, natürlich. Auf was ich verzichten könnte, ist das erste Training, das erste Mal in den Eisschuhen. Das fühlt sich immer so an, als hätte man ein Jahr nichts gemacht. Tests gehören halt auch dazu. Diesbezüglich finde ich es interessant, dass man sich pushen, sein Limit rausfinden kann. Manche Tests sind recht gut dafür. Sie sind natürlich nicht schön, aber danach fühlt man sich eigentlich immer gut.

Was dürfen die Gegner heuer vom EC KAC heuer erwarten?

Sie können eine sehr komplette Mannschaft erwarten. Sie können vier schnelle Linien erwarten, die spielerisch gut und diszipliniert sind. Die füreinander kämpfen und sich nicht auf die abgelaufene Saison ausruhen.

Warum wird der KAC am Ende der Saison ganz oben stehen?

Ich bin einer, der es nicht gerne verschreit (grinst). Warum können wir ganz oben stehen? Ich war ja im Vorjahr nicht dabei. Nein, eben aus den früher genannten Gründen. Wenn wir bescheiden bleiben und hart arbeiten, wird’s möglich sein.

An welche Person denkst du, wenn du das Wort „Erfolg“ hörst?

Arnold Schwarzenegger, glaub ich, passt da ziemlich gut. Am Eis schaue ich mir immer gerne Connor McDavid an. Oder auch andere große Spieler. Einen, den ich vergöttern würde, habe ich nicht wirklich. Mich inspirieren immer wieder Kleinigkeiten im Leben.

Du warst jetzt längere Zeit im Ausland aktiv. Aber gibt es dennoch für dich Stadien in der EBEL, wo du gerne spielst?

Ich muss sagen in Klagenfurt. Ich habe mich immer wohl gefühlt, in dieser Halle zu spielen. Auch wenn ich jetzt keine so gute Bekanntschaft mit der Bande gemacht habe. Flexible Banden sind ein wichtiger Punkt für die Liga, weil so eine Bande schon viel ausmachen kann. Erstens weniger Verletzungsrisiko und zweitens attraktiveres Eishockey zum Anschauen. Es ist zur bestehenden Bande schon ein Unterschied.

Jeder Spieler hat vor dem Spiel sein Ritual. Hast du eine Macke oder Dinge, die du im Spiel verändern möchtest?

Ich versuche eigentlich nur, dass ich nicht an Sachen verkrampfe, die eigentlich nicht wirklich eine Bedeutung haben. Gewohnheiten hat man immer, einen gewissen Ablauf. Für mich ist es wichtig, dass ich mich locker fühle und zu der Zeit, wenn es los geht, einfach da bin. Meine besten Spiele habe ich, wenn ich nicht allzu viel nachdenke. Einfach mit Lust spielen und mit Herz dabei sein.

Was müsstest du deiner Meinung an deinem Spiel noch verändern?

Ich sollte mir noch mehr zutrauen. Also nicht zu viel nachdenken, was passieren könnte, sondern einfach machen.