Wenige Playoff-Abende sind der ServusTV-Crew auch nach zehn Jahren noch so präsent in Erinnerung wie jener vom 8. März 2011. Warum dem so ist, wird hier erklärt.

Text: Martin Pfanner
Auf Twitter: @martinpfanner
Auf Instragram: @martinpfanner

An dieser Stelle findet ihr neben Einschätzungen der Servus-Hockey-Night-Mitarbeitern zur Spielzeit 19/20 auch immer wieder Langformate mit Geschichten, Anekdoten und Hoppalas rund um „10 Jahre Servus Hockey Night“.

10 Jahre Servus Hockey Night – Bonusmaterial Teil 3

Bevor es am Sonntag an dieser Stelle endlich wieder mit dem Live-Eishockey weitergeht (Sonntag; 5. Jänner 2020; ab 17.15 Uhr: https://www.servushockeynight.com/live/) werfen wir noch einmal einen Blick in die Vergangenheit und dieses Mal auf die ersten Playoff-Gehversuche der damals noch jungen Servus Hockey Night.

Falls ihr die ersten beiden Bonusmaterial-Teile der vergangenen Tage verpasst habt, dann gibt es diese hier nachzulesen:

27.12.2019: Einmal Interview und zurück (zum Ü-Wagen)

30.12.2019: Wenn Bozen nur 4 Meter von Salzburg entfernt ist

Heute: „Ich spreche“ – Die legendäre ServusTV-Konferenz

Die Ausgangslage

Wir befinden uns in den Playoffs der Spielzeit 2010/11. Für ServusTV ist es die Premierensaison, der Weg hin zu den EBEL-Übertragungen war ein langer.

Die Playoffs hatten mit dem Nichtantritt von Salzburg in Ljubljana am Sonntag gerade ihre ersten großen Aufreger geliefert, als in der Redaktionskonferenz vom Montag für die bevorstehenden fünften Viertelfinalspiele am Dienstag nicht nur inhaltlich, sondern auch personell Neuland betreten wurde.

Die Vienna Capitals hatten ihren Viertelfinalgegner Graz mittels Sweep bereits in den Urlaub geschickt. In allen anderen Duellen (RBS vs. OLL, VSV vs. BWL, KAC vs. MZA) stand es 3:1. Grund genug für die Verantwortlichen der Servus Hockey Night zu versuchen, all diese Entscheidungen via Konferenzschaltung frei Haus zu liefern.

Das Problem: Der 15-Kamera Standard konnte unmöglich für drei Produktionsstandorte gehalten werden. Personell wäre ein „volles Setup“ bestehend aus Moderator, Experte, Interviewer sowie Kommentator und Kommentar-Experte ohnehin nicht abzubilden gewesen. Es galt kreativ zu werden.

Vom TV-Allrounder zum Rookie-Kommentator in 24 Stunden

Die Lösung einiger der oben genannten Problemstellungen? Scheinbar ganz einfach. Da bereits feststand, dass der kroatische Sender HRT2 die Auswärtsspiele von Medvescak Zagreb beim KAC übertragen würde, war eine „Leitungsübernahme“ per Satelliten-Downstream und einem Kommentator aus der „Kabine“ in Salzburg logistisch, finanziell und personell die sinnvollste aller Optionen.

Die damals nicht zu Ende gedachten Nachteile dieser Lösung?
* Das Satelliten-Feed war nur in SD – anstelle des HD-Standards von ServusTV verfügbar. Wer sich noch an SD-Zeiten erinnern kann, weiß, dass man Spielgerät, Spieler und Strafen manchmal nur erahnen konnte.
* Die Kommentatoren-„Kabine“ war für Beitragsvertonungen optimiert (bedeutet: ein Mikrofon, das äußerst sensibel auf jegliche Stimm- und Atemregungen reagiert) und mit 1×1 Meter platzmäßig limitiert.

Widrige Bedingungen? Verlangt nach einem absoluten Profi, richtig?

Da aber alle verfügbaren Servus Hockey Night-Mitarbeiter bereits verplant waren, fiel die Wahl des Kommentators von KAC vs. Zagreb zwar auf einen arrivierten Fernsehmacher, der hinter der Kamera bereits jede erdenkliche Funktion bekleidet hatte, doch sein Beteuern „ich habe noch nie kommentiert und kann das auch nicht“ wurde vom damaligen Redaktionsleiter mit „du verkaufst dich immer unter deinem Wert“ in den Wind geschlagen. Was sollte da schon schief gehen?

Ich spreche – die legendäre ServusTV-Konferenz

Ich spreche

Neo-Kommentator? SD-Feed? Suboptimale Arbeitsumgebung? Das Zutaten-Triumvirat für einen denkwürdigen Eishockey-Abend, der auch auf Social Media und in diversen Foren für (unfreiwillige) Unterhaltung gesorgt hat. Als roter Chronik-Faden dienen Einträge von eishockeyforum.at. Ich durfte den Geschehnissen von damals beiwohnen und schildere sie folgend nach bestem Wissen und Gewissen.

19.30 Uhr: Spielbeginn in den Hallen. Die Konferenz kommt langsam in die Gänge. Erstmals wird für ein Update nach Klagenfurt geschalten. Zehntausende Wohnzimmer hören als erste Worte:

„Ich spreche“ (als mutmaßliche Replik auf das Einzählen des Sendungsverantwortlichen, das im Regelfall „5-4-3-2-1-Und sprechen“ lautet). Kein guter Start ins Debüt, für das der Kollege ohnehin ins kalte Wasser geworfen worden war.

Derlei ungünstige Umstände sind das eine. Wenn zum hochsensiblen Aufnahmemikro in der Mini-Kabine noch Signalausfälle beim Satelliten hinzukommen, ist das mehr als undankbar.

Das fatale an der Konferenz? Die Spiele in Villach und Salzburg plätschern nicht all zu spektakulär vor sich hin. In Klagenfurt fallen allein im Auftaktdrittel binnen neun Spielminuten ganze fünf Tore. Bedeutet: Zahlreiche Schalten in die Kärntner Landeshauptstadt vulgo Mini-Kabine in Salzburg. Und viel On-Air-Zeit für einen neuen Stern am Eishockey-Kommentatoren-Firmament.

Die Hoppalas mehren sich. Das Spiel KAC vs. MZA selbst tut dem Kollegen auch keinen Gefallen. Nach zwei Dritteln steht es 4:4. Im Schlussdrittel fallen zwei weitere Tore, paritätisch verteilt. Natürlich muss so ein Spiel nach 60 Minuten und beim Stand von 5:5 die Entscheidung in einer Overtime finden.

Die Vorgeschichte kennend, überrascht es wenig, dass der Debüt-Kommentar für den Kollegen reichlich schief gegangen ist. Allerdings oder gerade deswegen nicht nur den internen Mitarbeitern in Erinnerung geblieben ist.

Zwei Dinge zum Schluss:
* Dem Wunsch des Mitarbeiters, der am 8. März 2011 kurzfristig als Kommentator zum Einsatz kam, wurde fortan entsprochen. Er durfte sich wieder auf seine Stärken hinter den Kulissen fokussieren (und war so auch viele Jahre prägendes Mitglied der Servus Hockey Night)
* Falls ihr euch fragt, wo Video- bzw. Audiobelege dieses sehens- & hörenswerten Playoff-Abends bleiben, ist die Antwort ganz einfach: unwiederbringlich verloren. Zwar wurden damals vorschriftsmäßig alle Einzelspiele mitgezeichnet und auch archiviert, nicht aber die Programmsumme der Konferenz. Ein Fehler, aus dem gelernt wurde.

Wer sich die auch im Nachhinein lesenswerten Kommentare von eishockeyforum.at zu Gemüte führen möchte, der kann das hier tun: http://bit.ly/2SWYVwf

Personen, die dies tun, werden dann vielleicht auch noch ein wenig einfacher nachvollziehen, warum der 8. März 2011 so tief in den Erinnerungen der Servus Hockey Night-Crew verankert ist. Und das, obwohl seither nie wieder jemand den legendären Abend hat Revue passieren lassen können.