Pre Season-Interviewserie: Graz99ers-Neuzugang Philipp Lindner über Privilegien, Kopfschusspartien und Vorbild Arnold Schwarzenegger.

Interview: Erich Hober

servushockeynight.com: Du bist neu in Graz. Wie läufts für dich persönlich?

Sehr gut. Ich glaube, die Anspannung und der Nervenkitzel vor der neuen Mannschaft, der neuen Stadt legt sich langsam. Man hat sich eingelebt. Den Rost hat man sich auch von den Füßen und Händen gespielt.

Nach den ersten Testspielen folgte die Premiere in der Champions Hockey League. Das ist sicher eine zusätzliche Motivation, um in der Vorbereitung hart zu arbeiten, oder?

Ja natürlich. Sich auf einem solchen Niveau präsentieren zu können, das ganze mal sacken lassen und mal realisieren, auf welcher Bühne man da eigentlich spielt – das alles ist schon eine sehr coole Sache.

Welche Dinge in der Vorbereitung magst du, welche weniger?

Das Kennenlernen der Mannschaft, das Teambuilding taugt jedem. Vor allem, weil man es kaum erwarten kann, aufs Eis zu gehen und Spiele zu spielen. Auf was ich verzichten könnte? Da gibt es eigentlich nichts. Wir sind alle privilegiert und ich glaube, wenn einmal etwas nicht so gut schmeckt, sollte man es einfach wegstecken. Eigentlich haben wir alle ein sehr cooles Leben.

Welche Teamkollegen haben dich bisher überrascht?

Es gibt immer drei, vier Spieler in einer Mannschaft, die dann auch die anderen motivieren. Das ist immer gut. Das zieht sich über die ganze Saison. Da hat mal einer ein brutales Training, dann wieder ein anderer. Wenn immer jeder alles gibt und jeder sich selbst unter Druck setzt, dann glaube ich, dass das die ganze Mannschaft steigert.

Würdest du namentlich wen hervor streichen wollen?

Mit dem Oliver, dem Herrn Setzinger, haben wir einen ziemlich talentierten österreichischen Spieler, zu dem man sicher aufschauen kann und den mehrere von uns schon seit jüngeren Jahren beobachten. Sein Skills-Niveau ist einfach so hoch. Da kann man teilweise einfach nur zuschauen, lachen und sagen: Wow, schön, dass ich mit ihm auf der selben Bank sitzen darf.

Eure Nummer eins, Cristopher Nihlstorp, soll auch über eine Menge Erfahrung verfügen …

Ja, es ist schwierig, ihm ein Tor zu schießen. Vor allem am Anfang würde man lieber auf einen U12-Goalie schießen, damit man selbst ein bisschen Selbstvertrauen bekommt. Wenn dann so einer wie er im Tor steht, der ist ein ziemlicher Brocken. Ich glaube, das wird eine ziemlich gefährliche Mannschaft, die wir da in der Kabine haben.

Auf was dürfen sich die Gegner der Graz99ers in der kommenden Saison einstellen?

Auf eine sehr eislaufbereite, spielfreudige Mannschaft, die wenn es sein muss, auch geradlinig und hart spielt. Das braucht man einfach. Das macht eine gute Mannschaft aus. Ich glaube, das haben wir in der Kabine. Die Mischung aus geradlinig und verspielt macht es aus. Es ist genug Erfahrung in der Kabine, so dass wir diese Linie ganz gut treffen dürften.

Was braucht es, damit Graz am Ende der Saison ganz oben steht?

Das Glück des Tüchtigen. Wenn man hart trainiert, dem Gameplan folgt und einfach das macht, was einem vorgeschrieben wird, dann gibt man sich selber und auch der Mannschaft die beste Chance, um zu gewinnen. Es kommt darauf an, wie bereit jeder ist, um alles zu geben.

Mit welcher Person verbindest du das Wort Erfolg?

Arnold Schwarzenegger ist diesbezüglich ziemlich weit vorne. Der ist jedem ein Begriff. Er hatte sicher nicht das reichste Elternhaus und hat sich alles durch harte Arbeit verdient. Genau solche Menschen nehme ich mir persönlich als Vorbild. Weil ohne harte Arbeit kommt nichts. Man verdient es sich dann auch nicht so und dann schmeckt es auch nicht so gut.

In welchem Stadion der Erste Bank Eishockey Liga spielst du am liebsten?

Die Hallen sind in der Zwischenzeit alle auf einem guten Niveau. Schwierig zu sagen. Die Playoffs in Wien zu spielen, war sehr cool. In Linz gibt’s immer eine gute Stimmung. In Klagenfurt auch. Es ist echt schwierig zu sagen. Am liebsten habe ich es, wenn man gewinnt und mit einem Sieg im Gepäck wieder heimfährt. Das sind dann die besten Busreisen (grinst). Für die kommende Saison wird es sicher Innsbruck sein. Es ist meine Heimatstadt, bin dort aufgewachsen und habe drei Jahre dort gespielt. Ich freue mich schon sehr, gegen Innsbruck zu spielen.

Viele Spieler haben irgendwelche Macken. Wie sieht es damit bei dir aus und was würdest du gerne an dir ändern?

Mit weniger Risiko zu spielen. Ich bin doch einer, der gerne mal den Grat von sicher auf Kopfschusspartie überschreitet. Man muss einfach wissen, wann man welchen Pass probieren kann. Ich bin doch der Typ, der gerne mal den schwierigeren Pass probiert, obwohl es einfacher auch ginge. Das würde ich gerne abstellen beziehungsweise in den Griff bekommen. Weiters glaub ich, dass es für mich an der Zeit ist, eine Führungsrolle zu übernehmen. Auch mal in der Kabine aufstehen, wenn es mal nicht so läuft und die Burschen zu motivieren.

Zur Person

Geburtstag: 13. Juli 1995
Größe/Gewicht: 185cm/97 kg
Position: D
Bisherige Vereine in der EBEL: EC Red Bull Salzburg; HC TWK Innsbruck „Die Haie“
Statistik:
EBEL: 178 Spiele | 6 Tore | 23 Assists | 29 Punkte | -26 | 162 Strafminuten
Champions Hockey League: 5 Spiele | 1 Tor | 0 Assists | 1 Punkt | +2 | 4 Strafminuten
Team Austria: 21 Spiele | 0 Tore | 1 Assist | 1 Punkt | -4 | 6 Strafminuten
Größte Erfolge: 2 x EBEL Champion

So entsteht ein Eishockey-Puck