Peter Schneider hat seine neue sportliche Heimat bei Kometa Brno gefunden. Er spricht über den Wechsel, seine Zeit in Biel und das leidige Thema Imports.

Interview: Erich Hober-Lipouschek

servushockeynight.com: Was war aus deiner Sicht ausschlaggebend für deinen Wechsel nach Tschechien?

Zuerst muss man sagen, dass die tschechische Extraliga eine der stärksten und am meisten respektierten Ligen in Europa ist. Dadurch wird es eine große Herausforderung, mich dort durchzusetzen. Es ist eine Chance für mich, mich mit guten Leistungen weiterhin im Ausland zu empfehlen.

Das Ziel jedes Sportlers sollte sein, auf dem höchstmöglichen Level zu spielen und sein Potential voll auszuschöpfen. Ich habe mich speziell für Kometa Brno entschieden, weil Libor Zabransky dort Trainer und zugleich General Manager und Besitzer des Clubs ist. Sein starkes Interesse, die Tradition des Klubs, die Nähe zu Wien und vor allem das ausdrückliche Ziel, weitere Meistertitel in den nächsten Jahren zu holen, machten die Entscheidung leicht für mich.

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Man hat gehört, dass Biel doch noch Interesse an deiner Person hatte. Warum hat es mit der Verlängerung in der Schweiz nicht geklappt?

Ich habe mich in Biel sehr wohl gefühlt und einen Verbleib nie ausgeschlossen. Die Kaderplanung bezüglich der Importspieler für die nächste Saison wird oft erst in den Playoffs finalisiert und hängt auch von den Leistungen in den Playoffs ab.

Ich war in der Regular Season nicht glücklich mit meiner offensiven Ausbeute, hatte aber ein sehr gutes Gespräch mit General Manager Martin Steinegger am Ende der Saison. Er hat mir versichert, dass er persönlich mit meiner Leistung und vor allem mit meinem Einsatz zufrieden war.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich aber schon für einen Wechsel nach Tschechien entschieden. Um natürlich auch ein bisschen der Unsicherheit vorzubeugen. Im Rückblick auf die Corona-Krise bin ich sehr froh, dass ich mich früh entschieden habe, den Schritt nach Tschechien zu wagen.

Welche Erfahrungen kannst du aus der Schweiz für dich mitnehmen?

Ich habe gewusst, dass es schwer wird, sich auf eine neue, schnellere Liga sofort umzustellen. Trotzdem war ich am Anfang enttäuscht, dass ich meine Bemühungen nicht sofort in Tore umwandeln konnte. Ich vergab auch zu viele Chancen.

Ich habe viel am mentalen Teil des Sports gearbeitet und das zeigte gegen Ende der Saison gute Ergebnisse. Da will ich weiter machen. Eine weitere positive Sache, die ich aus der Schweiz mitnehmen will, ist das Mannschaftsklima und der Umgang mit Mitspielern. Das war wirklich einzigartig in Biel und half uns oft, schwere Phasen gemeinsam zu überstehen.

Wir erleben „dank“ Corona eine etwas außergewöhnliche Zeit. Wie hast du dich bzw. wie haltest du dich fit?

Für mich hat sich in der Vorbereitung zum Glück nicht viel verändert. Ich bin zur Zeit in Villach, wo mir außer einer Eisfläche alle Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Anfang Juli werde ich zu meinem Team in Brünn stoßen. Ende Juli ist unser erstes Mannschaftstraining am Eis und am 4. August schon unser erstes Spiel. Das wurde alles recht schnell kommuniziert.

Du kennst die internationale Eishockey Liga (Ex-EBEL), das Schweizer Eishockey und das tschechische aus deiner Jugendzeit. Wo würdest du die Extraliga im Europa-Vergleich einordnen?

Wie ich schon sagte ist die Extraliga eine der besten Ligen in Europa und dementsprechend schwer wird es auch, sich dort durch zu setzen. Ich erwarte, dass in Tschechien ähnlich schnell wie in der Schweiz gespielt wird. Und wahrscheinlich körperbetonter. Nicht umsonst wechseln viele Spieler aus der Extraliga in die KHL oder nach Nordamerika.

Ich glaube auch, es wird geradliniger gespielt als in der Schweiz. Dadurch kann ich meine Stärken besser ausspielen. Vom Spielstil wird es wahrscheinlich eine Mischung aus der Schweiz und der internationalen Eishockey Liga sein.

Kometa Brno war in den vergangenen Jahren recht erfolgreich. Welche Rolle wirst du in diesem Team einnehmen? Was sind deine Ziele?

Mein klares Ziel ist es, Meister zu werden. Das wurde mir auch bei meiner Verpflichtung durch den Trainer kommuniziert. Die Konkurrenz in der Liga ist sehr groß. Daher will ich dem Team so helfen wie es der Trainer von mir verlangt.

Jeder Spieler schießt gerne Tore und will offensiv wertvoll sein. Es ist aber auch wichtig, den Gegner ständig unter Druck zu setzen. In diesen Bereichen sehe ich meine Rolle.

Du hast mehrfach den Sprung ins Ausland geschafft und die Systeme anderer Nationen erlebt. Wie siehst du die Diskussion in der internationale Eishockey Liga hinsichtlich des Legionärsthemas?

Es ist immer schwer in einer Krise Maßnahmen durch zu setzen, gegen die sich die Clubs sträuben. Ich verstehe die Angst, dass durch die Reduktion der Importspieler die Preise der Österreicher nach oben gehen könnten. Ich denke aber, dass man die Kosten von zwei, drei Importspielern auf die Verpflichtung von zwei, drei zusätzlichen jungen Österreichern umlegen kann. Dann bleibt noch Geld übrig, das man für die Verpflichtung besserer und vielleicht einsatzbereiterer Importspieler verwenden kann.

Ich denke, dass ein Team, welches acht bis neun gute und nicht verletzungsanfällige Importspieler mit jungen und erfahrenen Österreichern mischt, über die gesamte Saison vier bessere Linien zusammenstellt – als ein Team, das sich auf 13 Imports verlässt, die Österreicher in ihren Reihen nicht fördert und dann bei Verletzungen der billigeren Imports in sich zusammenfällt.

Wenn man bessere Imports mit Österreichern in einer Linie mischt, bleibt man konkurrenzfähig und die Österreicher verbessern sich stetig. Das Argument, dass es zu wenige Österreicher gibt, um die Kader aller Teams bei neun erlaubten Imports aufzufüllen, kann ich nicht gelten lassen.

Es ist in den besten Ligen Europas selbstverständlich, junge Spieler, die noch nicht das Niveau der älteren haben, trotzdem spielen zu lassen – da sie nicht in einer vierten Linie mit unerfahrenen Spielern auf sich alleine gestellt sind.

Ich kann dazu nur ein persönliches Beispiel nennen. Als Dave Cameron den Benjamin Nisser in einer Linie mit Chris DeSousa und mir spielen ließ. Im Jahr davor hatte Benni noch wenig Eiszeit. Entwickelte sich aber dann zu einem wichtigen Spieler in unserem Team (Anm.: Vienna Capitals), weil man ihm eine Chance gab.

Ich bezweifle, dass eines der finanziell schwächeren Teams ihm eine Chance gegeben hätte. Selbst wenn er ablösefrei zu haben gewesen wäre.

Zu diesem Beispiel gibt es unzählige andere – beispielsweise Ali Wukowits in der letzten Saison. Auch Spieler, die es aufgrund der Situation in der internationalen Eishockey Liga bevorzugen, in der Alps Hockey League zu spielen.

Als ich mir mit 25 Jahren überlegt habe, nach Österreich zurück zu kommen, hätten mir auch nur die wenigsten Teams eine ernsthafte Chance gegeben oder wussten überhaupt wer ich bin. Dieser Weg ist meiner Meinung nach nicht nachhaltig, wenn man darauf bedacht ist, ein gutes Fundament für eine starke Liga in Europa aufzubauen, ganz abgesehen vom Nationalteam.

Es braucht eine bessere Nachwuchsförderung und eine größere Begeisterung der Kinder für den Eishockeysport. Dazu müssen sie aber auch eine Chance sehen, ihren Traum in der Heimat verwirklichen zu können.

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Ist die Kritik, die KAC-Manager Oliver Pilloni in den vergangenen Tagen getätigt hat, berechtigt? Er warf ja Vereinen in der Liga vor, dass diese mitunter falsch planen würden.

Ich habe meine Ansichten zu den Importspielern und wie ein Kader in Österreich mit mehr Österreichern funktionieren könnte, schon dargestellt. Ich denke, es wäre wichtig, wenn bei finanzschwächeren Clubs ein Umdenken stattfinden würde.

Ein Umdenken, wo man nicht mit verletzungsanfälligen Imports oder großen Namen spekuliert, sondern durch gutes Scouting qualitativ hochwertige Imports verpflichtet, von denen Österreicher lernen und die Mannschaft zum Erfolg führen können.

Selbst wenn der Erfolg nicht gleich einsetzt – mir wäre es als Zuschauer egal, ob meine Mannschaft zwischenzeitlich statt auf dem 9. auf dem 11. Platz wäre – so lange ich sehe, dass sich die Österreicher entwickeln und durch den Spielmodus der Liga in den Playoffs dann noch für die eine oder andere Überraschung sorgen können.

Imports kann man immer nachverpflichten. Einen soliden Stamm aus Österreichern nicht. Österreicher, die sich beweisen wollen, werden nicht zu schwächeren Teams für ein kleines Gehalt gehen, wenn sie dort auch nicht spielen.

Deswegen sind die Kader der finanzstärksten Teams überfüllt mit Österreichern, die dann auch zu wenig spielen. Das Konzept der finanzschwächeren Teams sollte so sein: „Kommt zu uns, wir geben euch eine ernsthafte Chance euch zu beweisen.“

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