Martin Pfanner blickt auf 268 EBEL-Spiele in beiden Phasen des Grunddurchgangs zurück. Sein Resümee exklusiv hier.

Nach 268 Spielen in den beiden Phasen des Grunddurchgangs ist es heute endlich so weit. Mit den Playoffs der Erste Bank Eishockey Liga wird die Servus Hockey Night zum insgesamt zehnten Mal rassiges, emotionales und körperbetontes Eishockey in die heimischen Wohnzimmer liefern dürfen.

Bis es so weit ist (RBS vs VSV, heute live ab 19:00 Uhr unter servushockeynight.com), bleibt aber noch ein wenig Zeit für einen Rückblick auf ein paar meiner persönlichen Highlights und Lowlights der bisherigen Saison.

Nachfolgend findet ihr je drei Dinge, die mir positiv und negativ in Erinnerung bleiben werden. Zudem meine persönlichen Lieblingsfolgen unserer Serie 10 Jahre Servus Hockey Night (falls noch ein wenig mehr Zeit bis zum Gang ins Stadion oder bis zur Spielübertragung bleiben sollte).

Pfanners Highlights

Die Playoff-Rückkehr des VSV
Wie sehr Villacher Fans in den letzten Jahren leiden mussten, lässt sich für Anhänger deren Team Playoff-Dauerbrenner sind, wohl nur erahnen. Drei Jahre ohne Postseason-Hockey in einer Eishockey-Stadt wie Villach? Ein Sakrileg. Der Weg zurück in die Runde der letzten Acht war lange und bisweilen auch holprig.

Letztlich ist es mit einer sympathischen Mannschaft, in der die Mischung aus Scorern und Arbeitern, Leitwölfen und jungen Cracks stimmt, gelungen. Und die Verpflichtung von Rob Daum könnte sich kurz-, mittel- und langfristig womöglich noch als Geniestreich erweisen.

Ich persönlich hoffe auf eine lange Viertelfinalserie, die uns allen viel Freude bereiten wird.

Der 1. Block der Black Wings Linz
Linz ist zum zweiten Mal in Folge „unten“ reingerutscht, obwohl man personell und budgetär dort eigentlich nicht verloren hätte. Der Motor der Mannschaft hat immer wieder gestottert (denkwürdig beispielsweise das unsägliche 0:8 in Wien), aber ganz abgesoffen ist er eben doch nie. Auch oder vor allem, weil die erste Linie so oft als Difference Maker in die Bresche gesprungen ist.

Die Zahlen von Lebler-Schofiel-Umicevic lesen sich wie die von Top-Spielern verschiedener Teams. Nicht wie die von ein und derselben Linie bei ein und demselben Team. Jeder in diesem Trio ist besonders. Brian Lebler (257 Karriere-Tore) hat in der Zwischenrunde heimlich, still und leise Mike Craig (255 Tore) als zweitbesten Torschützen der Liga-Geschichte abgelöst und kann mit ein paar weiteren produktiven Jahren durchaus in Schlagdistanz zu Rekordtorschütze Thomas Koch (331) kommen.

Rick Schofield ist ohnehin einer der meistunterschätzten Spieler der Liga. Immer da, immer mit konstantem Output (im 6. Jahr in Serie mit mindestens 20 Toren) und in so vielen verschiedenen Situationen gefährlich (5vs5, PP oder PK, wie 4 Shorthanded Goals belegen).

Und nicht wenige hätten Dragan Umicevic nach durchwachsener Vorsaison am liebsten mit dem nassen Fetzen aus Linz gejagt. Ein Jahr später wissen wohl auch die kritischsten Fans, was man ihn ihm gesehen hat bzw. jetzt an ihm hat: Den Scoring-Leader und Assist-König nach dem Grunddurchgang.

In Summe also ein Trio, das als Linzer Lebensversicherung nun auch gegen den KAC brillieren muss – will man als Außenseiter eine Chance gegen den Meister haben.

Alex Rauchenwalds Rückkehr nach seiner Krebserkrankung
Den Worten vieler seiner Weggefährten gibt es nichts hinzuzufügen. Die mit Abstand schönste Nachricht in der laufenden Saison.

Pfanners Lowlights

Die Teams im Westen
Bereits vor der Saison war klar, dass die Einschränkungen bei der Punkteregel bzw. die Beschränkungen der Imports die Teams im Westen wohl am härtesten treffen werden. Nun gibt es sowohl bei Dornbirn als auch bei Innsbruck viele Gründe, warum es – letztlich verdientermaßen – nicht mit den Playoffs geklappt hat.

Dünne Kader, viele Verletzungen und daraus resultierend viel zu viel Eiszeit für zu wenig Leistungsträger. Ein Teufelskreis, aus dem nur schwer auszubrechen ist, wenn viele Gegner mit 4-Linien Hockey einen letztlich zermürben können.

Die Off-Season wird für beide Teams spannende und wohl auch unangenehme Entscheidungen mit sich bringen.

Diskussion um Jhonas Enroth vs. die Abmeldung von drei Österreichern
Wie so oft im Sport wurde in dieser Causa sehr rasch emotional, teils polemisch und viel zu selten rational diskutiert. Egal, wie man zu dem Fall steht, letztlich wird der sportliche Erfolg des KAC (und eigentlich zählt dort ohnehin nur der Meistertitel) darüber entscheiden, ob die Verpflichtung als Erfolg oder Misserfolg in die Geschichte eingehen wird.

Dem KAC (vereinfacht ausgedrückt) vorzuwerfen, dass man kein Herz für Österreicher hätte, ist ebenso daneben, wie der Glaube, dass Entscheidungsträger am Ende nicht doch das tun, was sie am ehesten in Reichweite des Titels bringt.

Das bedeutet auch, manchmal eben unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Ich hoffe sehr, dass David Madlener auch diesen Leiberl-Kampf annimmt (wie er das auch schon mit Lars Haugen gemacht hat) und freue mich prinzipiell, dass die Liga so attraktiv ist, dass sich selbst schwedische Weltmeister auf ein Stelldichein einlassen.

Dass es 2019/20 in Österreichs Stadien noch immer Szenen gibt, die klare Reaktion erfordern.
Anlassfall war, dass Dornbirns Jordan Subban bei einem Liga-Spiel in Graz rassistisch beleidigt worden ist.

10 Jahre Servus Hockey Night

Wir durften in der Vorbereitung auf die 10. Saison der Servus Hockey Night tief im Archiv wühlen und so manche Perle noch einmal Revue passieren lassen. Aus den insgesamt 21 Folgen findet ihr hier meine persönlichen Top-3:

Platz 3
Warum wir nie müde werden zu betonen, dass Gert Prohaska 4-facher österreichischer Meister ist:

10 Jahre Servus Hockey Night: "Der vierfache österreichische Meister Gert Prohaska" ist kein Zufall

Platz 2
Warum man Hannu Järvenpää einfach lieben muss:

10 Jahre Servus Hockey Night: Warum man Hannu lieben muss

Platz 1
Es wäre nicht Live-TV, wenn es nicht auch jede Menge Hoppalas gegeben hätte:

10 Jahre Servus Hockey Night: Upps! Die Pannenshow