NHL-Superstar PK Subban, seit Ende Juni Verteidiger der New Jersey Devils, im Interview mit der u003cstrongu003eu003cemu003eServus Hockey Nightu003c/emu003eu003c/strongu003e über seine Karriere, seine Rückennummer, (österreichische) Teamkollegen und Bekannte in der EBEL.

Interview: Julia Baumgartner, Tim Heiss

servushockeynight.com: Wie läuft deine Off-Saison bisher?

PK Subban: Wirklich gut soweit. Ich habe bis jetzt viel Zeit mit Freunden und Familie verbracht. Diese Zeit genieße ich sehr. Meine Freundin (Anm. Ex-Skistar Lindsey Vonn) und ich verreisen viel, gehen gerne shoppen. Ich habe einige Spiel der Raptors in Toronto besucht. Nun beginnt aber langsam wieder die Trainingszeit, um fit zu bleiben. Aber ich freue mich noch auf den restlichen Sommer und Zeit zum Relaxen.

Kennst du Österreich?

Ich war vor vielen Jahren zu Besuch hier in Österreich – 2008 mit den World-Juniors. Das war eine tolle Erfahrung. Wir waren in einem Hotel in den Bergen, Schneeschuh wandern, haben gut gegessen und natürlich Eishockey gespielt.

Wie bist du zum Eishockey gekommen?

Eishockey ist der Nationalsport in Kanada. Wir Kinder – meine zwei älteren Schwestern und meine zwei jüngeren Brüder (Anm. beide sind ebenfalls Profi-Cracks) – wurden alle in Kanada geboren. Meine Eltern wollten, dass wir mit der kanadischen Kultur und den Traditionen aufwachsen. Dass die Jungs Hockey spielen, lag also auf der Hand. Vor allem mein Vater, der von Jamaika nach Sudbury in Ontario in Kanada gezogen ist, kam dort erstmals mit Eishockey in Berührung. Es war ein sehr teuerer Sport, aber meine Eltern haben einen Weg gefunden, dass wir spielen konnten. In unserer französischen Nachbarschaft war dann auch sofort die Liebe zum Sport und natürlich den Montreal Canadiens da.

Es war ein sehr teuerer Sport, aber meine Eltern haben einen Weg gefunden, dass wir spielen konnten.

PK Subban über seine Eishockey-Anfänge

Wann wusstest du, dass du das Potenzial für die NHL hast?

Als ich jung war, war ich sehr arrogant in Bezug auf meine Träume. Ich war immer schon sehr selbstbewusst und habe daran geglaubt, das Unmögliche zu schaffen. Je länger ich Hockey spielte, desto besser wurde ich. Die Vision wurde immer realistischer. Man weiß es nie zu 100 Prozent, aber ich wusste, dass ich alles dafür tun würde, um in der NHL zu spielen. Man braucht auch etwas Glück, aber ich habe wirklich hart dafür gearbeitet und mich stets verbessert. Diese Dinge konnte ich kontrollieren. Und das ist der Grund, dass ich seit zehn Saisonen in der NHL spiele.

Du bist in Toronto aufgewachsen und wurdest von den Montreal Canadiens gedraftet. Wie ging es dir mit dieser Rivalität?

Meine Anfänge in der NHL haben viel Spaß gemacht. Ich würde nichts anders machen. Ich bin damals quasi gleich in die Playoffs gestartet, ohne die Regular Season gespielt zu haben. Dann traf ich gleich auf Alex Owetschkin (Washington Capitals) in der ersten Runde und auf Sid Crosby (Pittsburgh Penguins) in der zweiten. Die Capitals waren damals auf Platz 1 in der Eastern Conference. Für mich war es ein toller Start meiner Karriere, weil ich mir – und nicht dem Team oder dem Rest der Welt – beweisen konnte, dass ich da mitspielen kann. Mein Ziel war es, das zu zeigen. Gottseidank hat unsere Team gut gespielt und wir hatten viel Erfolg (Anm. erst im Conference-Finale gegen die Philadelphia Flyers verloren). In die NHL zu kommen, war kein einfacher Weg. Aber es war aufregend.

Was ist so besonders an der NHL?

Es sind die besten Spieler der Welt. Es gibt weltweit viele tolle Ligen, aber wen du dich selber „den Besten“ nennen willst, dann musst du auch jeden Abend gegen die Besten spielen. Und das machst du in der NHL. Ich bin glücklich, dieses Privileg zu haben. Jeder der das Ziel NHL erreichen will, muss so hart wie möglich dafür arbeiten.

Wie hat sich Eishockey in den letzten Jahren verändert?

Ich glaube, am meisten hat sich die Geschwindigkeit verändert. Aber auch die Spieler sind größer, stärker und schneller geworden. Das Spiel ist schneller geworden – auch dadurch, dass sich die Regeln verändert haben. Veränderungen gab es auch im Bereich des Trainings, in der Off-Saison, wie Spieler auf sich schauen sowie die Regeneration. Spieler sind heutzutage zu Saisonstart in einer besseren Form. Aber die Geschwindigkeit ist toll: Für die Fans zum Anschauen und für die Spieler macht es Spaß zu spielen. Es wird dadurch aber auch immer schwieriger, auf diesem Level Erfolg zu haben. Dafür muss man richtig hart arbeiten.

Es gibt ein paar Österreicher in der NHL – du hast mit Thomas Vanek in Montreal zusammen gespielt. Was kannst du über ihn sagen?

Oh Mann. In meiner Generation ist er wahrscheinlich der Beste oder zumindest einer der Top 3-Spieler, die ich jemals in der Offensivzone gesehen habe. Seine Fähigkeit, Pucks zu kippen und kluge Wege um das Tor zu machen, um zu Punkten. Und das macht er immer noch. Er ist so talentiert und er spielt schon so lange in der NHL. Für mich war es so toll mit ihm zu spielen. Ich respektiere seine bisherige Karriere.

Aus der Erste Bank Eishockey Liga kennst du Johnny Hughes und Brock Trotter, richtig?

Ich hab mit Hughsey seit Jahren keinen Kontakt. Wir haben vor sehr langer Zeit gemeinsam bei den Junioren (Anm. bei den Belleville Bulls) gespielt. Ich erinnere mich gut an ihn, er war immer einer der lustigsten Typen, hat immer gelacht und Witze gemacht. Ich freu mich über seine Karriere und dass er hier so viel Erfolg hat. Er war ein toller Teamkollege. Es wäre lustig, ihn wiederzusehen. Auch an Trotts habe ich tolle Erinnerungen. Wir kennen uns aus meinem einzigen Minors-Jahr (Anm. Hamilton Bulldogs). Er hatte einen großen Anteil an meinem Erfolg, denn wir haben zusammen in der Powerplay-Formation gespielt. Er war in unserer ersten Linie und ich habe viel von ihm gelernt. Ein toller Teamkollege, mit dem ich auch viel Spaß hatte.

Hat deine Nummer 76 eine besondere Bedeutung für dich?

Die 7 steht für das Jahr, in dem ich in die NHL gedraftet wurde, das war 2007. Und die 6 ist meine ursprüngliche Nummer aus meiner Junioren-Zeit, weil ich in der sechsten Runde gedraftet wurde. Daher habe ich die Nummer 6 behalten. Aber in der NHL konnte ich die 6 nicht haben, weil sie schon vergeben war. Also wurde daraus die 76.

Hast du irgendwelche Rituale vor den Spielen? Bist du abergläubisch?

Ich habe keine speziellen Rituale. Ich bin auch nicht abergläubisch. Aber mir ist es wichtig, organisiert zu sein. Ich muss wissen, dass alles da ist, was ich brauche, um mich richtig auf das Spiel vorzubereiten.

Was ist dir lieber: Trash-Talk oder ein Fight?

Es hängt immer davon ab, wer der andere ist. Wenn der Typ härter ist als ich, dann lieber Trash-Talk. Wenn nicht, dann scheue ich nicht vor einem Fight zurück.

Wer war dein bisher bester Teamkollege?

Ich habe viele Teamkollegen, die ich als Freunde bezeichnen würde. Aber Dale Weise ist einer meiner besten Freunde. Ich habe lange mit ihm zusammen gespielt (Anm: bei den Montreal Canadiens). Aber wenn ich auf all meine Teamkollegen zurückblicke, hat jeder eine besondere Charaktereigenschaft, die ich liebe. Meistens bleibe ich dann mit jenen in Kontakt, die viel Energie haben, viel lachen und mit denen man eine gute Zeit haben kann. Weil eines der Dinge, die ich liebe, ist zu lachen und viel Spaß zu haben.

Du hast schon viele Auszeichnungen gewonnen, dir fehlt aber noch der Stanley Cup.

Ich würde mein linkes Ei für den Stanley Cup geben… (lacht) Der Stanley Cup ist ehrlich gesagt das Wichtigste. Das ist wirklich das einzige Ziel, das ich noch nicht erreicht habe in meiner Karriere. Es ist die härteste Trophäe, die man im Sport gewinnen kann. Du brauchst Glück, harte Arbeit und vollen Einsatz des ganzen Teams.

Ich würde mein linkes Ei für den Stanley Cup geben… (lacht)

PK Subban über den Stellenwert des Stanley Cups

Warum ist dir Charity wichtig?

Durch die Charity-Arbeit, die ich leiste, werde ich immer daran erinnert, wie viel Glück ich habe und viele andere Menschen. Wir stehen in der Früh auf, können zur Arbeit gehen und können die Dinge machen, die wir lieben. Einige Leute haben dieses Privileg nicht. Dadurch bleibe ich am Boden. Und ich weiß, egal wie krank oder verletzt ich bin, es gibt Menschen, die nicht die gleichen Möglichkeiten im Leben haben.

Werden wir dich einmal auf einer Skipiste sehen?

Definitiv nicht in diesem Sommer… (lacht) Aber irgendwann wird Lindsey sicher wollen, dass ich das mache. Bis zum Ende meiner Karriere wird das aber warten müssen. Und ich fahre bestimmt keine doppelte schwarze Raute (Extreme Abfahrt, Schwierigkeitsgrad in Nordamerika) runter…

Zum Schluss: Welche Tipps hast du für junge Spieler?

Einer meiner Lieblingstipps ist: Achte auf die Details. Das ist ganz ganz wichtig. Du wirst nicht einfach eines Tages aufwachen und dann hast du Erfolg. Sondern: Du musst verstehen, was es braucht und dafür musst du arbeiten. Um ein Top-Athlet zu werden, machen die kleine Dinge den Unterschied. Also achte darauf. Und was ich in zehn Jahren NHL gelernt habe: Nichts hält für ewig. Mein Ziel ist es daher, in jedem Wechsel besser zu sein, als im Shift davor.

Blick über die Schulter: Im DOPS-Situation Room