Roger Bader im Interview über das mögliche Kanada-Gastspiel, Österreichs Wertschätzung in der Eishockey-Welt und das Kärntner Derby.

Am Sonntag blickt die österreichische Eishockey-Welt nach Kärnten: Das erste Derby der neuen Saison zwischen dem VSV und dem KAC steht an. Wer den Herren auf dem Eis dabei ganz genau auf die Kufen blicken wird? Österreichs Teamchef Roger Bader, der auch in der Servus Hockey Night (ab 17.15 Uhr live auf servushockeynight.com, Facebook und Youtube) zu Gast sein wird. Im Interview mit servushockeynight.com spricht der Teamchef über die neue Wertschätzung Österreichs in der Eishockey Welt,  erklärt, wo man in den letzten Jahren aufgeholt hat, auf was er beim Derby achtet und er gibt Auskunft, wie es mit einem Gastspiel Kanadas in Österreich aussieht. // Interview: Daniel Kendler

servushockeynight.com: Sie waren kürzlich beim IIHF-Kongress auf Malta. Was konnten Sie mitnehmen?

Roger Bader: Als Nationaltrainer hat man dort viele kleinere Meetings mit anderen Nationen und bespricht Organisatorisches und die letzten Details von Vorbereitungsspielen für das A-Team oder die U20 und U18. Dort müssen beispielsweise auch alle anstehenden Weltmeisterschaften die konkreten Informationen wie Hotels, Spielplan und solche Dinge liefern. Ich bin zufrieden mit den Gesprächen mit den anderen Nationen, wenn es darum geht Vorbereitungsspiele und die Zusammenarbeit zu diskutieren. Solche Treffen sind ein Gewinn für alle.

Thema Vorbereitungsspiele: Können Sie schon verraten, ob Kanada kommt?

Wir sind hier auf einem guten Weg, dass es klappen wird.

Es ist nicht mehr lange zu den ersten Länderspielen (Euro Ice Hockey Challenge in Polen, 05. – 11.11, Anm). Die Freude ist groß, dass es eine hohen Anzahl an Länderspielen geben wird. Merken Sie in der internationalen Eishockey-Gemeinschaft eine gestiegene Wertschätzung?

Ich möchte zunächst etwas über den Begriff „hohe Anzahl“ sagen: Man war das in Österreich bisher nicht gewohnt, was ich da in den letzten Jahren immer wieder eingefordert habe. Man muss offen sagen: Wir waren hier einfach zehn Jahre hinten. Andere Nationen machen das schon über Jahre hinweg, dass sie kurz vor der WM neun Vorbereitungsspiele spielen. Wir haben nun über die ganze Saison 16 Länderspiele, unsere Konkurrenz hat zwischen 17 und 20 Länderspiele. Hier sind wir immer noch knapp dahinter, aber wir haben jetzt mal eine Lücke geschlossen. Das hatten wir vor meiner Zeit nicht, da hatte man den Anschluss verpasst gehabt. Und ja, natürlich merkt man es. Zum einen durch den Ligaerhalt, zum anderen merken andere Verbände auch, dass hier ein neuer Geist im Nationalteam herrscht. Dadurch sind wir attraktiver geworden. Das hat man deutlich gespürt, deshalb werden wir so viele A-Nationen haben als Gegner.

Man muss offen sagen: Wir waren hier einfach zehn Jahre hinten.

Dafür gibt es nun auch drei international Breaks. 

Ja, auch hier muss sagen, dass man das in Österreich nicht gewohnt war. Ich orientiere mich an den Top-Nationen, dort plant man immer in olympischen Zyklen und macht Vierjahrespläne. Dann kommen die kurzfristigen Ziele dazu: Das nächste Spiel, das nächste Turnier und dann geht es langfristig wieder um Olympia. Dass ist dann auch der Grund, warum man zu Länderspielen immer wieder sehr viele junge Spieler einberuft, die vielleicht für eine aktuelle Weltmeisterschaft noch kein Thema sind. Aber hier geht es um die Zukunft: Sie sammeln viele Erfahrungen auf dem internationalen Parkett. Das sind alles Erfahrungen, die sich dann , um die langfristigen Ziele wie Olympia zu erreichen, auch auszahlen werden.

Blicken wir nach Österreich in die Erste Bank Eishockey Liga: Sie besuchen am Sonntag das Kärntner-Derby und sind Gast in der Servus Hockey Night. Was erwarten Sie für ein Spiel?

Egal ob Finnland, Schweiz, Österreich – ein Derby ist eine Besonderheit. Du hast ein ausverkauftes Haus, die Rivalität – das führt dann oft dazu, dass die Spieler noch einen Zacken intensiver spielen und das Spiel so noch dynamischer wird.

Worauf liegt Ihr Fokus bei einer Spielbeobachtung?

Die einzelnen Spieler stehen im Fokus. Natürlich nimmt man die Spielsysteme und die Taktiken wahr, aber vor allem geht es um einzelne Spieler und wie sie sich in gewissen Situationen benehmen, wie sie spielen und dann auch reagieren. Dann kommen die Überlegungen zustande, wer ein Kandidat für die Nationalmannschaft sein könnte. Das passiert jedes Wochenende in einer anderen Halle, vor Ort – dann kommen noch diverse Fernsehaufnahmen und Trainingsbesuche dazu. Am Freitag besuche ich beispielsweise das KAC-Training, am Samstag das VSV-Training unter der Woche war ich in Linz – so ist man ständig unterwegs. Es ist ein Beruf und eine Berufung. Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

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