In unserer Serie „Unsung Heroes“ stellen wir euch jene Personen vor, die am Erfolg der Servus Hockey Night maßgeblich beteiligt waren.

Text: Martin Pfanner

Jedes Ende bringt Wehmut und auch Tränen mit sich. Am 10. März ist die Servus Hockey Night unrühmlich und abrupt zu Ende gegangen. Dabei galt es noch so viele verdiente Mitarbeiter hervorzuheben. Das tun wir nun über die nächsten Wochen an dieser Stelle. Heute Teil 5: Der Projektleiter.

Die Saison 2016/17 markiert für mich in mehrerlei Hinsicht immer noch einen Wendepunkt in der letztlich 10-jährigen Geschichte der Servus Hockey Night.

Mit Ausnahme der Premierensaison 2010/11 wurde vor keiner Spielzeit so viel verändert. Personell, budgetär aber auch strukturell. In personeller Hinsicht verdanken wir dem Sommer 2016 beispielsweise die Verpflichtung des vierfachen österreichischen Meisters.

Budgetär war 16/17 eine für die EBEL äußerst potente Spielzeit, da die auslaufenden DEL-Rechte von ServusTV in der Vorsaison finanzielle Ressourcen freimachten. Und letztlich strukturell, was „ganz oben“ begann: mit einem neuen Projektleiter.

Auftritt: Tom Schrefler

Eigentlich ist Schrefler ein Mitarbeiter der ersten Stunde. Wenngleich nicht von Beginn weg in jener einflussreichen Rolle, die er die letzten vier vollen Saisonen bekleidet hat.

Tom Schrefler ist ursprünglich als Projektmanager „Grafik“ für das Erscheinungsbild der Servus Hockey Night verantwortlich. Sämtliche Grafiken, ob On-Air oder Off-Air, die komplette Corporate Identity des Formats wandert über seinen Schreibtisch.

Er übersetzt die kryptischen Wünsche der Redaktion („du Tom, wir brauchen da so ein Element, das sich so von links reinanimiert und wo wir dann was reinschreiben können und am Ende soll es sich nicht normal abbauen, sondern irgendwie explodieren“) in exakte Briefings für seine Armada an Grafiker und Grafikerinnen und perfektioniert die Elemente in zahlreichen Feedback-Schleifen so lange, bis sie endlich das Licht der Sendungswelt erblicken dürfen.

Wir merken uns: Jemand, der es gewohnt ist, schwammige Wünsche in exakte Formulierung zu gießen; Einer, der weiß, was es benötigt, um etwas „sendungs-ready“ zu machen; Eine Person, die anhand klarer Briefings arbeitet und diese auch selbst einfordert; Kurzum: Ein Perfektionist.

Als Projektleiter war Schrefler unter anderem für den StyleGuide zuständig. Ein Konvolut mit am Ende knapp 200 Seiten, wo jede Grafik pixelgenau vermessen aufgeführt worden ist (siehe Foto).

Was macht eigentlich ein Projektleiter?

Je nach Betrachtungs- oder Zählart gab es in den zehn Jahren Servus Hockey Night vier dezidierte Projektleiter. Allerdings ist es kein Zufall, dass Schrefler mit vier vollen Jahren der längst dienende Projektleiter war.

Seine Aufgaben: Die Verwaltung eines der größten Budgets im Sportbereich. Interner wie externer Ansprechpartner für alle EBEL-relevanten Entitäten (Liga, Produktion, Redaktion, Marketing, Technik, Sendeabwicklung, alle externen Dienstleister uvm.), die Einteilung der Mitarbeiter (immer schon einer der undankbarsten Jobs) oder auch die Spielauswahl im Grunddurchgang sowie in den Playoffs.

Tom Schrefler
Tom Schrefler

Letztgenanntes ist fast zwangsläufig ein Spießrutenlauf der Sonntag für Sonntag zehn von zwölf Fanlager verärgerte.

„Warum wird der KAC so oft gezeigt?“
„Warum zeigt ihr immer Wien immer nur daheim und nie auswärts?“
„Und warum verdammt nochmal ignoriert ihr die Grazer?“
„Gebt doch einfach zu, dass ihr Innsbruck nicht mögt und darum nie die Haie zeigt.“


Diese Liste würde sich schier endlos fortsetzen lassen. Aber allein die Bandbreite an Fan-Feedback suggeriert schon, dass Schrefler in dieser Hinsicht nicht all zu viel hat anbrennen lassen.

Im Posteingang der Hölle

In Zeiten, wo der „reply to all“-Button bei Emails öfter betätigt wird als dass ein Griff zum Handy erfolgt, bedeutet das Projektleiter-Dasein eine tägliche Email-Flut, die in Intensivphasen auch mal dreistellig sein kann.

Wie Schrefler all die Jahre im (für mich) „Posteingang der Hölle“ Hygiene bewahren konnte und auch noch binnen oft weniger Minuten (egal zu welcher Tages- und Nachtzeit) antworten konnte: es wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Ein Macher der machen lässt

Man kennt das Phänomen aus vielen Bereichen des Zusammenlebens oder Zusammenarbeitens. Neue Manager treten ihre Jobs an, machen erst einmal wenig oder gar nichts und dann abrupt Vieles völlig anders als ihre Vorgänger.

Klar, man will dem Team, dem Projekt, der Aufgabe ja auch seinen Stempel aufdrücken. Die Gefahr, dass man damit auch Gutes der Vorgänger-Ära ausmerzt, wird oftmals sehenden Auges in Kauf genommen. Fortschritt wird so schnell zum Rückschritt.

Tom Schrefler auf den Schultern von Markus „Uwe“ Unterweger

Nicht so bei Schrefler. In einer durchaus fordernden Phase in der Geschichte der Servus Hockey Night, der noch dazu ein gewisser „talent/brain drain“ vorausgegangen ist (mehr dazu auch in der nächsten Ausgabe der „unsung heroes“), ist er zum richtigen Zeitpunkt die richtige Person für die Aufgabe.

Kein unnötiges Mikro-Management, kein Einmischen in Dinge, die er in ihrer Gesamtheit vielleicht noch nicht ganz nachvollziehen kann, sondern das herzerfrischende, angenehme Gegenteil: Die Mitarbeiter erst einmal machen lassen, um erst dann, wenn ein Problem auftritt, regulierend einzugreifen.

Letztlich natürlich eine Gratwanderung, aber eine, die Gespür und Vertrauen für Mitwirkende unabdingbar macht. Beides gab es bei Schrefler in Unmengen.

Für einen Anfang 30er, der eines der wichtigsten Sportprojekte beim Sender ServusTV zu verantworten hatte, alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Gemeinhin werden solche Leistungen wenn überhaupt, immer erst im Nachhinein honoriert. Auch deswegen gibt es dieses Format.

FIFA statt NHL auf der Redaktions-Playstation

Wenn man dem gebürtigen Salzburger eine Sache ankreiden möchte, dann (wohl zu recht), dass auf der redaktionsinternen Playstation 4 nach seiner Amtsübernahme in den Mittagspausen oder am Feierabend nicht mehr NHL 17, 18 usw. gespielt wurde, sondern FIFA.

Ein fast nicht nennenswerter Fakt, der aber illustriert, wie wenig es an seiner Ära tatsächlich (berechtigt) zu kritisieren gab. Fehlende Treffsicherheit bei der Auswahl von Videospielen, aber – viel wichtiger – Umsicht, Antizipation und Akribie werden in Sachen Servus Hockey Night auf immer mit Tom Schrefler verbunden sein.

In diesem Sinne: DANKE Tom!

Darum: Wenn ihr das nächste Mal bei ServusTV ein perfekt organisiertes (Sport-)Projekt erlebt, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Tom Schrefler im Hintergrund die Fäden zieht.

Denkt an und dankt solchen Leuten wie ihm. Immer da, immer gut, für immer „unsung heroes“ der Servus Hockey Night.

Lest demnächst Teil 6: Der Strafbank-Redakteur

Unsung Heroes – Bisher erschienen:
Unsung Heroes – Teil 1: Der Regisseur
Unsung Heroes – Teil 2: Die Grafik
Unsung Heroes – Teil 3: Der Ü-Wagen-Leiter
Unsung Heroes – Teil 4: Der Producer