Wenige Mannschaften in der Erste Bank Eishockey Liga sind mit der Wundertüte Dornbirner Eishockey Club vergleichbar. Nach dem besten Saisonstart der Vereinsgeschichte folgte die längste Niederlagenserie seit die Bulldogs Teil der 12er-Liga sind. Quo vadis DEC?

Text: Martin Pfanner // Auf Twitter: @mpfanner  // Auf Instagram: @martinpfanner

An dieser Stelle findet ihr in unregelmäßigen Abständen Einschätzungen der Servus-Hockey-Night-MitarbeiterInnen zur Spielzeit 18/19. Ob VOR, WÄHREND, oder NACH der Saison, es gilt: immer subjektiv und auf eigenen Beobachtungen beruhend. Darüber hinaus: Immer fair, aber manchmal kontrovers.

Verzweiflung? Welche Verzweiflung?

Verzweiflung sieht anders aus. Verzweiflung hört sich anders an. Dornbirn Head Coach Dave MacQueen bleibt angesichts der 8 Spiele währenden Niederlagenserie ruhig. Wohl auch, weil er  bereits zweimal in seiner Liga-Zeit 7 Partien in Serie verloren hat (Oktober 2014, sowie Oktober/November 2016) und somit weiß, dass man manchmal nur einen „lucky bounce“ vom erlösenden Sieg entfernt ist. Dass die Bulldogs in den beiden erwähnten Saisonen am Ende die Playoff-Qualifikation verpasst haben, ist selbstverständlich ein anderes Thema.

Neue Transparente im Kabinengang. Motivation am Weg zum nächsten Sieg?

MacQueen: „Use your hockey sense“

18 Feldspieler und 2 Torhüter waren für ein gut einstündiges Training am Eis. Wie zumeist an Donnerstagen mit etwas weniger Intensität, dafür aber vollem Fokus. Trainiert wurden Breakouts und spezifisch die Special Teams. Am Ende dann wie so oft die obligaten Einzel-Drills mit Puck Deflections und Schusstraining.

Spannender das, was zwischen den Übungen geschah. MacQueen, der gewohnt stimmgewaltig dirigierte. Und auch an die Profis appellierte: „Use your hockey sense“. Denn der 59-Jährige der sich in seiner 24. Saison als Assistant oder Head Coach befindet, weiß, dass Dornbirn während der Unserie nicht selten nah am Erfolgserlebnis dran war. OT- bzw Shootout-Niederlagen gegen Fehervar oder den KAC, aber auch die knappen Spiele gegen Leader Wien (2:3) oder Meister Bozen (1:2) dürfen Dornbirn-Fans den Umständen entsprechend positiv stimmen. Zum Überreagieren bleibt ohnehin noch genug Zeit.

18 Feldspieler, 2 Torhüter, Voller Fokus

Macierzynski & Häussle: Im Doppel (noch) besser!

Neben den üblichen Kaderveränderungen, die jede Off-Season in Vorarlberg mit sich bringt, gibt es aus österreichischer Sicht zwei sehr erfreuliche Entwicklungen. Kevin Macierzynski und Stefan Häussle sind beide am Weg ihre bisherigen Scoringbestleistungen regelrecht zu pulverisieren. Macierzynski hält nach 12 Spielen genauso wie Häussle bei 6 Punkten, hochgerechnet wären das über einen kompletten Grunddurchgang starke 27. Freilich schwieriger zu begreifen, warum beide bis auf wenige Ausnahmen auch weiterhin nur im vierten Angriffsblock zu finden sind.

Wenn der Teamchef zweimal anruft

Für den charismatischen Feldkircher Macierzynski, dessen Interviews aufgrund seiner konsequent dargebrachten Vorarlberger Mundart dem „Gehört gehört“-Pflichtprogramm zuzurechnen sind, waren die vergangenen Monate ohnehin von einer erfreulichen Entwicklung gekennzeichnet. ÖEHV-Teamchef Roger Bader berief den 26-Jährigen vergangene Saison erstmals ins Team und auch heuer wird er dem erweiterten Stamm angehören (Macierzynski wurde für den Kader des 4-Nationen-Turniers im November in Polen nominiert). Subjektiv betrachtet gibt es wohl wenige Cracks, denen die Freude über die Nationalteam-Zugehörigkeit so ins Gesicht geschrieben ist, wie ihm.

Ähnlich euphorisiert ist der 7-fache ÖEHV-Teamspieler nur, wenn man auf den prominenten Trainingsgast der vergangenen Woche zu sprechen kommt. Torontos Star-Stürmer William Nylander gab sich für ein paar Einheiten in Dornbirn die Ehre. Sein Vertragsdisput mit den Maple Leafs und die in Dornbirn Tennis spielende Schwester machen es möglich. Fast unnötig zu erwähnen, dass sich gerade die Austro-Cracks der Dornbirner von Nylander in den wenigen Einheiten doch Einiges abschauen konnten. Skating, Speed und Puck-Handling sind selbstverständlich in einer eigenen Liga, aber Effort, Hustle und Vorbereitung waren auch Dinge, die den Dornbirner noch länger in Erinnerung bleiben werden.

Der mittelfristige Ausblick

Die Kaderplanung ist laut MacQueen abgeschlossen. Mit Brock Trotter werkt seit 2 Spielen der 15. Legionär in Dornbirn. Ein Akteur der sein 8. Dress in den letzten 4 Spielzeiten überstreift (das des IF Björklöven immerhin 2x in separaten Aufenthalten) wäre für so manchen Beobachter zumindest eine kleine „red flag“ wert. Für MacQueen soll er aber perspektivisch eine Bereicherung für’s vor sich hin marodierende Powerplay (12,2% und damit letzter Liga-Rang) sein, die (laut MacQueen) Unstimmigkeiten mit einem Trainer aus der Vorsaison sind ebenfalls kein Thema.

Eine Notiz am Rande: Nachdem in der benachbarten Schweiz aktuell eine hochemotional und teilweise sogar aggressive Debatte über die Erhöhung des Importskontingents von 4 auf 6 Legionäre pro Team geführt wird, entbehrt das Treiben in der heimischen Liga nicht eines gewissen Schmunzelns. Gerade wenn am Sonntag in der Servus Hockey Night Teams mit 15 bzw. 12 Legionären aufeinander treffen. Vielleicht auch deswegen das Label mit dem Duell der Wundertüten. Man weiß eben nie so genau, was man bei beiden bekommt.

Die hieb- und stichfeste Prognose für’s Wochenende

Dornbirn wird dieses Wochenende wieder einen Erfolg feiern. Ob gegen Salzburg oder Graz vermag das Orakel nicht zweifelsfrei vorherzusagen, aber gegen die Bullen spielen die Bulldogs zumeist sehr kompetitiv. Und wenn am Sonntag Wundertüte auf Pralinenschachtel oder umgekehrt trifft, dann ist sowieso alles möglich.